Frankfurt – Die Sparzinsen sind zwar weiter im Keller. Das Geldvermögen der Bundesbürger steigt trotzdem. Ende Juni waren es nach Angaben der Bundesbank rund 5723 Milliarden Euro, also 5,7 Billionen, knapp ein Prozent oder 45 Milliarden mehr als Ende März und damit so viel wie nie zuvor.
Die Deutschen legen bei ihrer Geldanlage den Fokus vor dem Hintergrund des Niedrigzinsumfeldes weiter auf „als besonders liquide und/oder risikoarm wahrgenommene Anlageformen“ und investieren nur sehr vorsichtig in Aktien. Wie schon im ersten Quartal haben sie auch im zweiten Vierteljahr nur für knapp zwei Milliarden Euro netto Aktien gekauft, vor allem Papiere aus dem Ausland. Auf der anderen Seite nahmen sie weiter in deutlichem Umfang Kredite auf. Unter dem Strich lag das Netto-Geldvermögen der Deutschen Ende Juni bei gut vier Billionen Euro – 4027 Milliarden – 0,7 Prozent mehr als Ende März, teilte die Bundesbank am Freitag mit.
Bei ihrer Analyse berücksichtigt die Bundesbank Bargeld, Giro- und Spareinlagen bei Banken und Sparkassen, Wertpapiere und Investmentfonds sowie Ansprüche an Versicherungen. Immobilien bleiben unberücksichtigt.
Der größte Teil des Zuwachses im zweiten Quartal beruhte mit 31 Milliarden auf Bargeld und Zuflüssen in niedrig oder gar nicht verzinste Sparanlagen. 18 Milliarden entfallen auf gestiegene Ansprüche bei Versicherungen und Pensionskassen. Für gut zehn Milliarden Euro wurden zwischen April und Juni Investmentfonds mit Aktien und Anleihen und Immobilienfonds, insbesondere aber gemischte Wertpapierfonds, gekauft, schreibt die Bundesbank.
Umgekehrt nahmen die privaten Haushalte nach Angaben der Bundesbank im zweiten Quartal bei Banken und Sparkassen neue Kredite auf im Volumen von etwa 17 Milliarden Euro. Dabei handelte es sich vor allem um Wohnungsbaukredite. Dadurch erhöhten sich die privaten Verbindlichkeiten um gut ein Prozent auf knapp 1,7 Billionen Euro. Über die Verteilung des Vermögens bei den privaten Haushalten macht die Bundesbank in ihrer Analyse keine Angaben. rolf obertreis