München – Es ist ein alljährliches Ritual. Weil Kfz-Policen in Deutschland traditionell zum Stichtag 30. November gekündigt werden können, machen sich Schnäppchenjäger um diese Jahreszeit auf die Suche nach einem günstigeren Kfz-Tarif. Das könnte in diesem Jahr schwierig werden, glaubt man den führenden Internet-Vergleichsportalen Check 24 und Verivox. „Die Auswertung von Modellfällen gegenüber Oktober 2016 zeigen eine Verteuerung um etwa zwei Prozent“, sagt Verivox-Experte Toralf Richter. Check 24 hat für Oktober 2017 sogar ein Prämienniveau ermittelt, das acht Prozent über dem Vergleichsmonat des Vorjahres liegt. Billiger wird es im Schnitt sicher nicht, betonen die beiden Portale. Sie haben unterschiedliche Anbieter im Angebot und kommen schon von daher zu verschiedenen Ergebnissen. Zudem listet kein Portal den heimischen Marktführer Huk Coburg, der sich seit Oktober komplett allen Vergleichsportalen verweigert.
Einzelne Fahrzeughalter können zwar immer noch sparen, wenn sie ihren Vertrag wechseln, die Mehrheit aber nicht. Diese Entwicklung liegt im Trend der letzten Jahre. So steigen die Jahresprämien nach den Statistiken des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV seit 2011 ungebrochen. So hat sich eine reine Kfz-Haftpflichtpolice 2016 im Marktschnitt verglichen mit 2015 um 1,3 Prozent auf 252 Euro verteuert. 2010 waren es noch 215 Euro. Bei Vollkasko und einem Durchschnittspreis 2016 von 317 Euro war die Entwicklung ähnlich. Nur Teilkasko ist 2016 mit 89 Euro im Schnitt um einen Euro billiger geworden. Die Assekuranz kann sich bei dauerhaft niedrigen Zinsen nicht mehr leisten, bei der assekuranzweiten Einsteigerpolice Kfz-Versicherung Kunden betont über den Preis zu locken. Vielmehr schreibt sie sich zunehmend Verbraucherfreundlichkeit per Zusatzleistungen und individuellen Tarifen auf die Fahnen. „Das lassen Versicherer sich aber bezahlen“, warnt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Jeder Baustein über eine Basispolice hinaus verteuere diese. Autofahrer sollten sich deshalb gut überlegen, ob sie Angebotenes wirklich haben müssen.
Wer benötige zum Beispiel das Versprechen, per Schutzbriefleistung binnen 60 Minuten wieder mobil gemacht zu werden, wenn man ohnehin Mitglied bei einem Automobilclub ist? Wem helfe ein Verzicht auf Prämienerhöhung durch Veränderung der Typ- oder Regionalklasse, wenn man eine Police jährlich wechseln könne? Immer mehr Zusatzbausteine dieser Art von immer mehr Versicherern würden aber fraglos die Vergleichbarkeit von Policen erschweren, bedauert Boss und vermutet hier einen nicht zufälligen Effekt, der speziell den tendenziell teueren Anbietern zugutekommt.
Für jeden Autofahrer wichtig hält der BdV nur wenige Tarifmerkmale – und ob ein Versicherer im Schadensfall auch rasch zahlt. Zu den wichtigen Kernbestandteilen einer Police zählen die Verbraucherschützer eine Deckungssumme von mindestens 100 Millionen Euro, eine Übernahme von Wildschäden bei wirklich aller Art von Tieren inklusive Marderbisse und einen Tarif, der im Schadensfall auch bei grober Fahrlässigkeit zahlt (s.unten). Zudem sei eine Selbstbeteiligung von 150 Euro in der Teilkasko oder 300 bis 500 Euro in der Vollkaskopolice sinnvoll. Andere Verbraucherschützer empfehlen zudem einen Rabattretter, der bei einem einzelnen Schaden im Jahr verhindert, dass ein Versicherungsnehmer hochgestuft wird.
Was das Sparpotenzial bei einem Wechsel betrifft, kursieren teils astronomische Summen von jährlich 1000 Euro und mehr. Das mag in einem Einzelfall bei Vollkaskopolice auch stimmen. Die Regel ist es aber nicht. Ein günstiger Tarif sei aber immerhin um rund 30 Prozent billiger als ein Durchschnittstarif, meint Verivox und errechnet im Schnitt eine Differenz von 200 Euro pro Vertrag. 100 bis 200 Euro Ersparnis hält auch der BdV für realistisch. „Es gibt aber auch Leute, die wechseln auch, wenn es nur um fünf Euro billiger wird“, weiß Boss.