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Tausende Mitarbeiter vor Kündigung

von Redaktion

Von Stefan Kruse, Bernd Röder und Julia Kilian

Berlin – Tausende Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft Airberlin stehen vor der Kündigung. Eine zunächst erhoffte große Auffanggesellschaft für bis zu 4000 Beschäftigte ist vom Tisch. Möglich ist aber noch eine kleine Variante für die Belegschaft in Berlin. Der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen sagte nach einem gestrigen Treffen von Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern mit dem Bund, man habe sich nicht auf eine Lösung verständigen können.

Die Fronten waren klar: Bayern habe kein Geld geben wollen, Nordrhein-Westfalen und der Bund nur in einem geringen Umfang. Deshalb werde es eine Transfergesellschaft für alle Betroffenen „aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben“. Berlin werde aber eine „kleine Lösung“ für die Berliner Beschäftigten unterstützen, sagte Kollatz-Ahnen.

Auch Airberlin hofft darauf, dass zumindest eine Lösung für die rund 1200 Mitarbeiter des Bodenpersonals gefunden wird. Dafür müsste das Land Berlin eine verbindliche Finanzierungszusage machen.

Bayern und auch die Lufthansa, die große Teile der Airberlin übernehmen will, hatten eine finanzielle Beteiligung an einer Transfergesellschaft bereits zuvor abgelehnt.

Der Gläubigerausschuss von Airberlin hätte bis zu 10 Millionen Euro für die Transfergesellschaft bereitgestellt – bei einem angenommenen Finanzbedarf von bis zu 50 Millionen Euro. In einer Transfergesellschaft werden Mitarbeiter vorübergehend freiwillig angestellt und in neue Jobs vermittelt. Sie bekommen dort weniger Geld als zuvor, müssen sich aber nicht arbeitslos melden und gewinnen Zeit für die Stellensuche.

Airberlin – die nach der Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie – hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb war nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert worden.

Am morgigen Freitag stellt die Airline ihren eigenen Flugbetrieb endgültig ein. Im Airberlin-Konzern gibt es zurzeit rund 6800 Vollzeitstellen, die sich auf etwa 8000 Mitarbeiter verteilen. Die Lufthansa will rund 3000 Mitarbeiter bei ihrer Tochter Eurowings einstellen: Rund die Hälfte davon wird mit den Airberlin-Töchtern Niki und LG Walter übernommen, auf die anderen Stellen müssen sich Ex-Airberliner bewerben.

Das sorgt für Unmut bei Gewerkschaften, die große Gehaltseinbußen befürchten. Einige Flugbegleiter wollen auch gerichtlich gegen mögliche Kündigungen vorgehen. Zu den Beschäftigten zählen neben Piloten und Flugbegleitern auch Verwaltungsangestellte. Auf Jobmessen hatten bereits mehrere Arbeitgeber um die Kollegen der Airline geworben, zum Beispiel die Bahn und die Berliner Verwaltung. Auch die Bundeswehr wirbt derzeit um Ex-Airberliner. Über die Zerschlagung der Fluggesellschaft wird derweil weiter verhandelt.

Es laufen seit Wochen Gespräche mit dem britischen Billigflieger Easyjet, bisher aber ohne Erfolg und nicht mehr exklusiv. Ebenfalls noch keine Entscheidung gibt es über die Zukunft der Technik-Tochter. Lufthansa rechnet bei ihrem Deal erst für Januar mit der endgültigen Übernahme, wie gestern bekannt wurde. Die Lufthansa hatte Anfang der Woche gewarnt, nach dem Ende von Airberlin müssten sich Reisende auf manchen Strecken auf Engpässe einstellen. Vorstand Harry Hohmeister sagte, er könne nicht ausschließen, dass es in Stoßzeiten knapp werden könne und einige Kunden erst später fliegen könnten als erhofft. Lufthansa setzt deswegen etwa von Frankfurt nach Berlin größere Maschinen ein.

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