München – Die Irritationen zwischen den deutschen Autobauern um Selbstanzeigen wegen möglicher Kartellabsprachen haben den Draht nicht völlig zerschnitten. Am Freistag haben Ford, VW, Daimler und BMW (für alle zugehörigen Konzernmarken) den bereits angekündigten Aufbau eines europäischen Hochleistungs-Lade-netzes für ihre Elektroautos auf den Weg gebracht. Ionity heißt das Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in München, das jetzt zügig loslegen soll. Noch heuer soll mit dem Aufbau der ersten 20 von insgesamt 400 Schnellladestationen begonnen werden.
Wo diese stehen, weiß noch keiner. Das hängt davon ab, mit welchen Partnern das Unternehmen am schnellsten über Details einig wird und wo der Weg durch die Behörden zügiger zu bewältigen ist. Es könnte in Deutschland sein, in Norwegen oder in Österreich. Denn den deutschen Raststätten-Betreiber „Tank und Rast“, die österreichische OMV und die norwegische Circle K hat Ionity als Kooperationspartner ins Auge gefasst.
Ende des kommenden Jahres sollen es dann bereits 100 Stationen sein, jede mit mehreren Ladesäulen. Bis zu 350 Kilowatt (kW) Leistung sollen die Ladezeit reduzieren. Bislang werden Autos wie der BMW i3 oder ein elektrischer Golf mit bis zu 50 kW geladen – meist aber mit wesentlich weniger. Ein Hochvoltspeicher mit 30 Kilowattstunden (kWh) mit einer Restladung von zehn Prozent ist bei 50 kW nach gut 20 Minuten wieder zu 80 Prozent geladen.
Doch auch die neuen Hochleistungs-Ladestationen werden die Wartezeiten für bestehende Autos zunächst kaum verkürzen. Die einfache Rechnung, dass die siebenfache Leistung die Ladedauer auf ein Siebtel eindampfen könnte, geht in der Praxis nicht auf. Dann wäre man zwar beim Zeitrahmen einer normalen Tankfüllung an der Zapfsäule. Doch nicht nur die elektrische Leistung der Ladesäulen begrenzt die Stromaufnahme der Batterien.
Beim BMW i3 – und ganz ähnlich auch beim Golf – sind 50 kW bereits die Grenzen des technisch Möglichen. Bereits bei 65 Prozent Ladung wird die Ladeleistung von der Elektronik im Auto allmählich heruntergeregelt, um Schäden an der Batterie zu vermeiden.
Denn anders als beim Tanken von Diesel oder Benzin ist das Laden einer Batterie nicht ein Umfüllen von Flüssigkeit, sondern ein elektrochemischer Prozess, bei dem elektrische in chemische Energie umgewandelt wird – mit entsprechender Beanspruchung der Batterie.
Trotz der laufenden Fortschritte bei der Entwicklung der Batterietechnik werden Elektroautos, deren Speicher in unter 15 Minuten wieder zu 80 Prozent gefüllt sind, auf sich warten lassen. Jede einzelne eingesparte Minute erfordert enormen Entwicklungsaufwand. Martin prem