Elektronik

Osram und Conti planen Licht für das Auto der Zukunft

von Redaktion

München – Ein Schalter gedrückt, das Licht geht an. „Hell wie der lichte Tag“, wie die traditionsreiche Osram-Werbung am Münchner Stachus-Rondell noch heute verspricht. Das verbinden viele mit dem Namen des Münchner Lichtkonzerns. Das ist aber die Osram-Welt von gestern. So simple Dinge hat das Unternehmen aufgegeben.

Die neue Osram-Welt schaltet autonom: Der Scheinwerfer eines Fahrzeugs leuchtet die ganze Fahrbahn aus. Ein anderes Auto kommt entgegen. Die Straße bleibt im Lichtkegel. Nur die Kontur des entgegenkommenden Fahrzeugs wird ausgespart. Keine Blendung. Das klappt nur, weil Licht eben nicht nur Helligkeit bedeutet, sondern auch Signale transportiert. So ortet ein Sensor im Scheinwerfer über Reflexionen des eigenen Lichts das entgegenkommende Fahrzeug.

Wenn der Scheinwerfer so viel über seine Umgebung weiß, ist es sinnvoll, solche Informationen in die gesamte Intelligenz des Fahrzeugs einzubinden. Das ist einer der Gründe, warum der Licht- und Sensorik-Spezialist Osram sich mit dem Autozulieferer Continental zusammentut.

Ein Gemeinschaftsunternehmen namens Osram Continental GmbH, an dem beide Konzerne zu je 50 Prozent beteiligt sind, soll bereits im nächsten Jahr loslegen können. 1500 Mitarbeiter an 17 Standorten weltweit sollen innovative Lichtlösungen für die Automobilindustrie entwickeln, produzieren und vermarkten, wie beide Partner mitteilten. Von einem „zukunftsweisenden Unternehmen des digitalen Autolichts“, spricht Osram-Technik-Vorstand Stefan Kampmann. Das Gemeinschaftsunternehmen soll seinen Sitz in der Region München haben.

Während das Geschäft mit Hightech-Lösungen brummt, ist die Sparte, die noch am ehesten mit der Vergangenheit zu tun hat, ein Sorgenkind: „Wir sind mit dem Leuchtengeschäft nicht zufrieden“, sagte Osram-Chef Olaf Berlien gestern bei der Jahrespressekonferenz. „Wir prüfen alle Optionen.“ Das kann eine Sanierung sein, ein Zukauf, die Suche nach einem Partner oder ein Verkauf.

Berlien schloss nicht aus, dass darüber auch mit Ledvance gesprochen wird. Das Unternehmen Ledvance ist das von Osram an chinesische Eigentümer verkaufte Endkundengeschäft mit Lampen (also das, was früher Glühbirnen und Leuchtstoffröhren waren).

Doch Ledvance hat den Ehrgeiz, sich breiter aufzustellen und eben auch ganze Leuchten anzubieten. Allerdings ist das, was Osram in diesem Bereich macht, kein klassisches Endkundengeschäft, wie es Ledvance betreibt. Der Lichtkonzern konzentriert sich auf anspruchsvolle Großprojekte mit Architekten und Großplanern, wie Berlien betont.

Standorte müssen beim technischen Wandel nicht auf der Strecke bleiben. Das erfahren derzeit die 330 Mitarbeiter in Schwabmünchen südlich von Augsburg. Dieses Werk hat vor allem Teile für die Osram-Welt von gestern geliefert, soll aber nun mit einem Reinraum, in dem Beschichtungen für LED-Chips entstehen, in die neue Osram-Welt überführt werden. „Es werden dort auch mehr Mitarbeiter sein“, kündigte Berlien an.

Unter dem Strich war das im September abgelaufene Geschäftsjahr 2017 ein deutlicher Sprung. Der Umsatz stieg um 9,1 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Das Ergebnis sank aber aufgrund eines Sondereffekts 2016 von 532 Millionen auf 275 Millionen Euro. Dennoch schlägt der Vorstand eine um 10 Prozent höhere Dividende von 1,10 Euro pro Aktie vor. Die gleiche Ausschüttung soll bei weiterem Umsatzwachstum und laut Prognose stabilem operativem Ergebnis auch im nächsten Jahr angestrebt werden. Die Anteilseigner waren offenbar zufrieden. Die Osram-Aktie verteuerte sich gestern um mehr als sechs Prozent. Martin Prem

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