Industrie

Kahlschlag bei Ledvance: 1300 Stellen weg

von Redaktion

von Thomas magenheim-Hörmann und Martin Prem

München – Nur ein Jahr nach dem Verkauf an ein chinesisches Erwerberkonsortium setzt die Osram-Abspaltung Ledvance in Deutschland zu einem radikalen Kahlschlag an. Geplant ist die Schließung des größten deutschen Werks in Augsburg und der Fertigung in Berlin sowie Stellenabbau bei den beiden anderen heimischen Fabriken in Eichstätt und Wipperfürth bei Köln. Das eröffnete der Konzern seinen Belegschaften an den betroffenen Standorten. In der Summe geht es um 1300 Beschäftigte – und damit mehr als die Hälfte der 2400 Leute, die heute für Ledvance in Deutschland arbeiten.

Das Werk in Augsburg beschäftigt 700 Mitarbeiter. In Berlin sind es 220. Beide Werke sollen bis Ende 2018 geschlossen werden, der Maschinenbau in Augsburg zudem bis Ende 2019. Weitere 250 Stellen würden bis 2021 in Eichstätt und rund 50 weitere in Wipperfürth wegfallen. Am Münchner Firmensitz stehen 100 Jobs auf der Streichliste. „Die rapide sinkende Nachfrage nach traditionellen Produkten erfordert tiefe Einschnitte bei unseren Fertigungsstrukturen und in unserer Verwaltung“, rechtfertigte Ledvance-Chef Munk Hansen den Kahlschlag. Er kommt keine neun Monate, nachdem Ledvance rechtlich selbstständig geworden ist. Die Betroffenen fühlen sich belogen und verraten. Der chinesische Led-Spezialist MLS und dessen Mitinvestoren hätten vor Jahresfrist beim Erwerb von Ledvance zugesagt, von Deutschland aus für den Weltmarkt zu produzieren und neue Led-Produkte in den deutschen Fabriken zu fertigen, erinnerte der Berliner IG-Metall-Chef Klaus Abel. Nun folge stattdessen ein Kahlschlag ohne jedes Alternativszenario.

„Versprechen sind einzuhalten, das gilt auch für chinesische Investoren“, stellte der Gewerkschafter klar. Offenbar sei es den Chinesen aber nur um Marktzugang in Deutschland und anderen westlichen Märkten gegangen. Auch Gesamtbetriebsratschef Willi Sattler in Augsburg kritisierte das Ledvance-Management sowie die Investoren scharf und forderte Investitionen in ein Zukunftsprogramm, um Jobs zu sichern.

Ledvance erklärt die Hiobsbotschaften mit einem unerwartet drastischen Einbruch bei den traditionellen Lampen, die der Konzern fertigt. Aktuell seien die Werke global im Schnitt nur noch zwischen 20 und 40 Prozent ausgelastet, was hohe Verluste nach sich ziehe. Bis 2025 werde ein weiterer Markteinbruch um nahezu 90 Prozent erwartet, auch weil auf EU-Ebene immer mehr veraltete Lampentechnologien verboten würden. Dem könne man mit normalem Sparen nicht mehr begegnen. Garantien für Standorte oder Beschäftigte habe es beim Verkauf von Ledvance an MLS zudem nicht gegeben.

Osram hatte sich im Jahr 2016 für 400 Millionen Euro von seinen technologischen Auslaufmodellen getrennt und in den dortigen Fabriken selbst zuvor schon tausende Stellen abgebaut. Aus weltweit einmal 43 Standorten waren 2016 binnen fünf Jahren nur noch 17 Fabriken geworden.

Verbunden war der Verkauf an die Chinesen allerdings auch mit der Hoffnung, dass diese Ledvance-Lampen in einem größeren globalen Maßstab vermarkten, als das Osram möglich gewesen wäre. Zudem sollten die Chinesen in den deutschen Werken für zukunftsträchtige Fertigung von Led-Produkten sorgen. Auf solche Produkte will Ledvance sich nun beschränken, aber offenbar mit weit weniger Personal und weniger Werken.

Das ist besonders bitter für Augsburger Mitarbeiter, die längst in Eigeninitiative versucht haben, ihre Fertigungskenntnisse aus der alten Welt der Lampen auf die Zukunft auszurichten. Etwa indem sie Fertigung von Glaskolben so umgestellt haben, dass sie statt traditioneller Lampentechnik eben LED-Technik enthielten. Offenbar reichte das aber nicht, die Eigentümer von der Zukunftsfähigkeit des Werks zu überzeugen.

Außerdem sind LED-Lampen auch extrem langlebig. 15 Jahre Lebensdauer sollen bei dieser Technologie inzwischen der Standard sein. Allein dadurch sinkt die Nachfrage nach Lampen, die von Großkunden häufig ausgewechselt werden, obwohl sie noch brennen, weil neue Lampen-Generationen noch sparsamer sind.

Insider verweisen auf den Lichtkonzern Philips. Die Niederländer hatten im dritten Quartal ebenfalls einen massiven Nachfrageeinbruch nach traditioneller Beleuchtung im Volumen von gut einem Viertel zu verkraften. In der Beschäftigung konnte das aber durch die Fertigung neuer Produkte abgefangen werden. Eine ähnliche Reaktion erwarten die Ledvance-Beschäftigten und auch die IG Metall auch von den chinesischen Investoren. Andernfalls drohen sie mit harter Konfrontation. Ob sich die Chinesen davon beeindrucken lassen, bleibt abzuwarten.

Die frühere Ledvance-Mutter Osram zeigte sich von der Entwicklung indessen überrascht. Rein rechtlich haben die Münchner keine Verantwortung mehr für Ledvance und das dortige Personal. Osram baut aber in Regensburg derzeit rund 1000 Stellen auf und hat auch Ausbaupläne für Schwabmünchen bei Augsburg. Nun vom Aus bedrohten Ledvance-Beschäftigten soll an beiden Standorten bevorzugt ein Job angeboten werden, falls deren Qualifikation das erlaube, heißt es bei Osram.

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