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Infineon: Furchtlos im Übernahmefieber

von Redaktion

von manuela dollinger

Neubiberg – Ein Roboter verteilt Schokolade im Foyer des Chipherstellers Infineon in Neubiberg bei München. Im Inneren der Maschine, die von einem Münchner Start-up entwickelt wurde, stecken eine ganze Reihe von Halbleitern aus dem Hause Infineon. Die Aktion soll verdeutlichen: Robotik ist ein Wachstumsmarkt, auf den die Bayern verstärkt setzen. Aber nicht der einzige: Auch autonomes Fahren, Elektromobilität sowie die Interaktion von Mensch und Maschine per Sprache und Gesten wurden als Zukunftsfelder ausgemacht. Dazu kommen neue Materialien, die zum Beispiel die Batterien von Elektroautos bei gleicher Reichweite um mindestens zehn Prozent schrumpfen lassen sollen.

„Unser Wachstum basiert auf unterschiedlichen stabilen Säulen“, erklärte Vorstandschef Reinhard Ploss bei der Vorlage der Bilanz am Dienstag. Der Fokus auf Wachstumsmärkte sei die Grundlage des Erfolgs von Deutschlands größtem Chiphersteller – auch im zurückliegenden Geschäftsjahr, in dem der Konzern vor allem von der hohen Nachfrage nach Chips für die Autoindustrie profitiert hat.

Der Umsatz stieg um neun Prozent auf knapp 7,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um fast ein Viertel auf 1,2 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich erhöhte Infineon den Gewinn von 744 auf 790 Millionen Euro. Die im vergangenen März angehobene Prognose (und auch das Margenziel von 17 Prozent) wurde damit erfüllt – trotz des schwachen Dollars. Die Dividende soll entsprechend um 3 Cent auf 25 Cent je Aktie angehoben werden. Und auch im Geschäftsjahr 2018 soll der Umsatz weiter steigen, kündigte Ploss an. Und zwar um sieben bis elf Prozent.

Optimistisch bleibt der Infineon-Chef auch angesichts der Konsolidierungswelle, die die Branche erfasst hat. „Ich sehe uns nicht gefährdet“, betonte Ploss. Er habe keine Angst, dass Infineon der Übernahmewelle zum Opfer falle. Derzeit versucht der Chipkonzern Broadcom den Konkurrenten Qualcomm zu übernehmen. Qualcomm selbst versucht für 47 Milliarden Dollar den niederländischen Konkurrenten NXP zu kaufen. Infineon ist bei diesen Größenordnungen zwar ein vergleichsweise kleiner Happen. „Wir sind aber ein recht sperriger Nachtisch für die meisten“, gab Ploss zu bedenken. Man wolle weiterhin wachsen und den Unternehmenswert steigern, um unabhängig zu bleiben, so die Strategie.

Um das Wachstum anzuschieben, sollen im laufenden Geschäftsjahr 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro investiert werden – unter anderem in die Fertigung in Dresden. Im Zuge dessen wird auch Personal aufgebaut. Bereits 2016/2017 erhöhte sich die Mitarbeiterzahl weltweit um 1200 auf knapp 37 500. Knapp die Hälfte der neuen Jobs entfiel dabei auf Deutschland. Auch 2017/2018 soll die Mitarbeiterzahl dreistellig wachsen, kündigte Ploss an. Stellen werden auch am Hauptsitz in Neubiberg (aktuell rund 3500 Mitarbeiter) geschaffen, wo es in den vergangenen Jahren eng wurde. Im Frühjahr wird deshalb ein neues Bürogebäude eröffnet – mit Platz für 800 Mitarbeiter.

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