Finanzindustrie

HVB-Chef Weimer wird Börsen-Chef

von Redaktion

München – Seit 2009 stand Theodor Weimer an der Spitze der UniCredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB) in München, jetzt zieht es ihn zurück nach Hessen, um Chef eines Dax-Konzerns zu werden: Die Deutsche Börse teilte gestern mit, dass Weimer zum 1. Januar den Vorstandsvorsitz des Frankfurter Börsenbetreibers übernehmen wird. Damit löst der HVB-Chef den scheidenden Börsen-Chef Carsten Kengeter an der Konzernspitze ab.

Schon länger stand fest, dass Kengeter die Börse bis zum Jahresende verlassen wird. Kengeter hatte Ende Oktober nach quälenden neun Monaten die Konsequenz aus laufenden Ermittlungen gezogen und seinen Rücktritt zum Jahresende angekündigt. Seit dem Frühjahr verdächtigt die Frankfurter Staatsanwaltschaft den Börsen-Chef, im Zuge der geplanten und letztlich gescheiterten Fusion mit der Londoner Börse millionenschwere Insidergeschäfte getätigt zu haben. Gestern drückte der Personalrat aufs Tempo, um die Kengeter-Nachfolge zügig unter Dach und Fach zu bringen.

Am Abend stimmte der Aufsichtsrat für Weimer als neuen Börsen-Chef. Der Dax-Konzern dürfte von der Entscheidung profitieren: Der 59-Jährige Franke gilt in Frankfurt als gut vernetzt. Bevor Weimer 2007 zur HVB wechselte, damals noch nicht als ihr Chef, war er in Frankfurt für die Investmentbank Goldman Sachs und die Beratungsfirmen Bain und McKinsey tätig. Laut „Handelsblatt“ pflegt Weimer, der privat bis heute in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden wohnt, außerdem enge Kontakte zur hessischen Landesregierung.

Wie wichtig das ist, hatte sich zuletzt bei der geplanten Börsen-Fusion mit London gezeigt: Kengeter wollte den Firmensitz der neuen Superbörse nach London verlegen, die hessische Landesregierung war dagegen – an ihr kommt aber niemand vorbei: Die Börsenaufsicht untersteht direkt dem hessischen Wirtschaftsministerium.

Die Entscheidung für Weimer ist aber nicht nur für die Deutsche Börse konsequent, dem ehrgeizigen Banker dürfte der neue Job in Frankfurt auch persönlich ganz gelegen kommen: Weimer wird schon lange nachgesagt, nach Höherem zu streben. In München konnte Weimer mit der HVB lediglich den deutschen Außenposten einer italienischen Großbank verwalten; auch im Münchner Hypo-Hochhaus am Arabellapark gilt das Konzernmotto: One Bank, one UniCredit – Eine Bank, eine UniCredit.

Einem Manager wie Weimer kann das auf Dauer nicht genug sein, wenn wichtige Konzernentscheidungen in Mailand getroffen werden. Der HVB-Chef ist bekannt für sein forsches und selbstbewusstes Auftreten. Die „Welt“ hatte ihn einst als „letzten deutschen Macho-Banker“ bezeichnet.

Auch beim Umbau der HVB ging Weimer wenig zimperlich vor, immer die Zukunft des Geldhauses im Blick. Knapp die Hälfte der Filialen ließ er schließen, 2900 Vollzeitstellen ließ er streichen. Weimer war von der Idee überzeugt, aus der HypoVereinsbank eine „Premium-Bank“ zu schmieden, um vermögendere Kunden anzulocken. Dass das auf manche Altkunden der HVB in Bayern rücksichtslos wirkte, nahm er in Kauf. Dafür verschaffte er der HVB innerhalb des UniCredit-Konzerns eine gute Position.

Weimers Nachfolger bei der HVB in München wird der Manager Michael Diederich. Bisher verantwortete Diederich bei der Bank den Bereich Corporate und Investment Banking. „Diese Funktion wird er vorerst behalten, bis die Nachfolge geregelt ist“, erklärte die Bank gestern in einer Mitteilung. Diederich habe diese Position seit seinem Wiedereintritt in die Bank im Jahr 2015 innegehabt, nachdem er zuvor die Euler Hermes Kreditversicherung als Vorstandschef geführt habe. Sebastian Hölzle

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