Uniti: Ein Auto wie ein iPhone

von Redaktion

Von André Anwar

Stockholm – Volvo und Saab haben Schweden zu einer Autobaunation gemacht. Nun geht das Land in die nächste Runde. Ab 2019 soll in einer Fabrik in der westschwedischen Stadt Landskrona ein neuartig gestaltetes Elektroauto vom Stapel laufen. Der Minielektrowagen Uniti ist für den Stadtgebrauch, als Zweitwagen für Familien oder junge Leute bestimmt. „Ein Auto, das wie ein iPhone aussieht“, sagt Firmenchef Lewis Horne der Zeitung „Metro“.

Das futuristische Vehikel ist mit knapp 450 Kilogramm so leicht, dass es in eine Fahrzeugklasse fällt (L7e), an die viel weniger gesetzliche EU-Auflagen gebunden sind als an herkömmliche Fahrzeuge. Deshalb konnte es in nur vier Jahren entwickelt werden. Auch die Spielräume bei der Gestaltung waren dadurch größer. „Die meisten Autobauer gehen zudem erst einmal davon aus, welche Bausteine Zulieferer bereitstellen, bevor sie ein Auto konzipieren. Die heutigen Branchenkonzepte sind veraltet. Das wird sich auch in zehn Jahren noch nicht geändert haben. Wir füllen diese Lücke“, sagt Uniti-Sprecherin Verena Kitowski dieser Zeitung.

Joysticks ersetzen Steuer und Pedale

Der Stromer soll mit einer Reichweite von 300 Kilometern und mit zwei Joysticks statt einem Lenkrad und Gaspedalen ausgestattet sein. „Das alte Prinzip von Lenkrad, Gas- und Bremspedal, das es so kompliziert macht, zu fahren, ist nicht mehr zeitgemäß. Das wurde früher so gebaut, weil man Autos nicht anders bauen konnte“, sagt sie. Bei den Steuerungsknüppeln verändert ein Druck nach vorne oder hinten die Geschwindigkeit, mit links und rechts wird gesteuert, mit dem Daumen geblinkt. Alles wird komplett von einem Schirm bedient, der auf die Windschutzscheibe projiziert werden kann. „Die meisten Unfälle entstehen dadurch, dass Autofahrer etwa kurz ihr Autoradio einstellen oder andere Funktionen und so von der Straße abgelenkt werden. Das machen wir anders“, sagt Kitowski.

Autopilot ist vorbereitet

Das Auto wird in mehreren Versionen angeboten und soll zwischen 15 000 und 20 000 Euro kosten. Die Maximalgeschwindigkeit beträgt 90 oder 130 Kilometer pro Stunde. Zudem setzten die Schweden vor allem auf Zweisitzer. „Die meisten Autos in der EU transportieren im Durchschnitt 1,7 Personen. Dennoch bauen fast alle anderen Hersteller Autos für fünf Personen“, so Kitowski. „Auch das Gewicht ist wichtig, derzeit sind Autos so schwer, dass sie zu 90 Prozent sich selbst transportieren und nur zu 10 Prozent die Insassen, da ist viel Energievergeudung drin.“  Der Uniti soll beim Gebrauch und in der Produktion deutlich weniger verschwenderisch sein als andere Stromer. So soll auch die Karosserie aus wiederverwerteter Karbonfaser bestehen, dem umweltfreundlichsten Baustoff in der gesamten E-Auto-Branche.

Zudem soll der Wagen mit einem Computersystem ausgestattet sein, das doppelt so leistungsfähig ist wie das von großen Tesla-Modellen. So ist alles darauf vorbereitet, dass sich das Auto selbst fahren kann. „Dazu braucht es nur ein Softwareupdate. Alles andere ist schon drin. Die Umstellung wird für uns viel einfacher sein als für die großen Autobauer“, sagt Kitowski.

Investoren sollen auf Schwarm folgen

Doch eine wesentliche Hürde ist noch nicht genommen, das Geld. Hinter dem Elektroauto steht bislang Schwarmfinanzierung. Es hat etwa 1000 Investoren, die über drei Millionen Euro bereitgestellt haben. Mit der Präsentation des Prototyps und der Montagefabrik am 7. Dezember läuft die nächste Investorenrunde an. In den kommenden Monaten rechne man mit dem Einstieg größerer Investoren, sagt Kitwoski. Dann soll eine Serie mit 50 000 Modellen ermöglicht werden. Mit Siemens wurde bereits ein Kooperationspartner gefunden.

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