Maschinenbau

KraussMaffei an der Börse Schanghai

von Redaktion

München – KraussMaffei soll künftig indirekt an der Börse von Schanghai gehandelt werden. Dazu wird das traditionsreiche Unternehmen, das seit April 2016 mehrheitlich dem chinesischen Konzern ChemChina gehört, in ein weiteres Tochterunternehmen von ChemChina eingebracht, das bereits an der Börse in Schanghai notiert ist. Über eine Kapitalerhöhung soll der Schritt umgerechnet knapp 200 Millionen Euro einbringen. ChemChina bleibt aber Mehrheitsaktionär.

Bisher ist das Münchner Unternehmen, das Maschinen für die Verarbeitung von Gummi und Kunststoff herstellt – und das mit dem Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) außer den gemeinsamen Wurzeln und der benachbarten Standorte nicht mehr verbunden ist – mit seinen Eigentümern aus dem Reich der Mitte recht gut gefahren. Von einer „sehr guten und schönen Entwicklung sprach gegenüber unserer Zeitung der Chef des Unternehmens, Frank Stieler. Immerhin wurden nach seinen Worten seither 200 neue Arbeitsplätze in Bayern geschaffen. Das sind immerhin vier Prozent der insgesamt rund 5000 Beschäftigten des Unternehmens. „Unser Budget, das unser chinesischer Aufsichtsrat beschlossen hat, hat sich auf über 60 Millionen Euro erhöht“, sagte Stieler. Das sei eine Verdreifachung der Investitionen gegenüber den Geldern, die früher unter der Regie von westlichen Investoren verfügbar waren.

Der Charme der gefundenen Konstruktion für den Gang an die Börse sei es, „dass Gelder chinesischer Investoren auch in die Erweiterung und Erneuerung unserer westlichen Standorte fließen“, sagt Stieler.

Die Börse Schanghai ist nur chinesischen Investoren zugänglich. Allerdings zählen dazu auch Gemeinschaftsunternehmen, an denen westliche Konzerne beteiligt sind.

Mit den chinesischen Eigentümern hat das deutsche Management des Unternehmens nach eigenen Angaben bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Der Umgang der Chinesen mit KraussMaffei sei, so Vorstandschef Stieler, „vom ersten Tag an von Respekt, von Anerkennung und der Bereitschaft geprägt gewesen, voneinander zu lernen“. Man habe in China Gehör gefunden.

Zukunftschancen sieht KraussMaffei vor allem im Bereich Leichtbau. Das sei die Eintrittskarte in den Bereich E-Mobilität. Da spielt der chinesische Markt eine entscheidende Rolle. Nach Stielers Einschätzung hat China auch im Bereich von Karbonfaserkunststoffen die Führerschaft übernommen. „Wir verkaufen signifikant mehr Laboranlagen für die Entwicklung von Karbonfaser-Automobilteilen nach China als nach Deutschland“, sagt er.

Die Chancen sehen die Arbeitnehmer von KraussMaffei nicht anders als die Chefs. „Die weitere Verbesserung des Zugangs zum chinesischen Markt wird weiteres Wachstum schaffen“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Peter Krahl, „wodurch die bestehenden Arbeitsplätze in Deutschland und Europa gesichert werden.“

Martin Prem

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