Frankfurt – Die lang eingefädelte Übernahme weiter Teile der insolventen Airberlin durch die Lufthansa ist geplatzt. Wegen starker wettbewerbsrechtlicher Bedenken der EU-Kommission verzichtet der Dax-Konzern auf den österreichischen Ferienflieger Niki mit 20 Flugzeugen. Eine Sprecherin der Berliner Zivilgerichte bestätigte am Mittwochabend den Eingang des Insolvenzantrags für den österreichischen Ableger von Airberlin beim Amtsgericht Charlottenburg. Das Gericht müsse nun prüfen, ob der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zulässig sei.
-Was bedeutet die geplatzte Übernahme für Reisende in der Weihnachtszeit?
Falls die Niki tatsächlich abrupt ihren Flugbetrieb einstellen muss, könnten Tausende Passagiere ihre bereits gebuchten Flüge nicht antreten. Sofern sie in Verbindung mit einer Pauschalreise gebucht sind, müsste der Veranstalter für Ersatzflüge sorgen. Wer seine Tickets direkt gekauft hat, müsste selbst Ersatzflüge suchen und diese auch bezahlen. Sollte sich kein neuer Käufer für die österreichische Airline finden, verschwände erneut die Kapazität von 20 Flugzeugen aus dem mitteleuropäischen Markt, was nach den Erfahrungen aus der Airberlin-Pleite zu Engpässen und höheren Preisen führen dürfte.
-Wer könnte Niki noch übernehmen?
Letztlich werden die Karten im Übernahmepoker neu gemischt. Auch nach einem „Grounding“ (Flugverbot in der Luftfahrt) könnten zumindest die Niki-Slots für den Sommerflugplan noch einen gewissen Gegenwert darstellen und Käufer anlocken. Trotz der bislang erfolglosen Gespräche und zwischenzeitlichen Absagen könnten erneut IAG (British Airways, Iberia, Vueling) und Thomas Cook (Condor) Interesse haben. Auch der Ex-Rennfahrer und Luftfahrt-Unternehmer Niki Lauda hat am Mittwoch Interesse angemeldet. „Ich bin interessiert und würde mich darum kümmern“, sagte Lauda, der Niki einst gegründet hat, der Nachrichtenagentur APA.
-Was wird aus den Arbeitsplätzen?
Mit der Insolvenz stehen nun offenbar kurz vor Weihnachten 1000 Mitarbeiter auf der Straße. Das machte Airberlin–Insolvenzverwalter Frank Kebekus als Generalbevollmächtigter klar. Das betrifft nicht nur Österreich. Viele Besatzungen sind in Deutschland stationiert und bringen Passagiere von hier aus zu Badezielen etwa ans Mittelmeer. Piloten und Flugbegleiter haben aber wohl gute Chancen, bei der Lufthansa-Tochter Eurowings unterzukommen. Die soll nun aus eigener Kraft wachsen. Viele Flugzeuge aus der Airberlin-Gruppe hat Lufthansa schon von Leasingfirmen gekauft. Es fehlen nur noch die Besatzungen.
-Wie geht die Lufthansa weiter vor?
Die umsatzstärkste Fluggesellschaft Europas will zunächst in Brüssel retten, was noch zu retten ist, nämlich die zweite Airberlin-Tochter LG Walter. In diesem nicht insolventen Flugbetrieb sind derzeit 20 Propellermaschinen und 14 Airbus A320 registriert, die samt eigenem Personal Verbindungen für die Lufthansa-Tochter Eurowings fliegen. Sie verfügt über zusätzliche Start- und Landerechte aus dem Airberlin-Erbe, die aber auch noch Gegenstand von Verhandlungen mit den unerwartet strengen Brüsseler Wettbewerbshütern werden könnten.
-Warum hatte die Lufthansa als Marktführerin überhaupt den Zuschlag für den Großteil von Airberlin erhalten?
Nach Aussage von Airberlin-Sachwalter Lucas Flöther haben die Lufthansa und Easyjet schlicht am meisten Geld geboten. „Entgegen allen Verschwörungstheorien haben wir an diejenigen verkauft, die das beste Angebot vorgelegt haben“, sagte er im November der „SZ“. Die British-Airways-Mutter IAG, die sich die Niki für ihre Tochter Vueling einverleiben wollte, zog ebenso den Kürzeren wie Condor. Allerdings haben die Beteiligten die EU-Kommission falsch eingeschätzt.
-Bekommt der Staat den Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro zurück?
Die Bundesregierung sagt selbst, dass der Kredit möglicherweise nur zum Teil an die KfW zurückgezahlt werden kann. Sollte sich kein neuer Käufer für die Niki finden, könnte es bei einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag bleiben, für den größeren Rest müsste der Steuerzahler aufkommen, da der Staat gebürgt hat. 40 Millionen Euro fließen von der britischen Easyjet, 18 Millionen Euro von der Lufthansa für die LG Walter und ein unbekannter Betrag für die Airberlin Technik.