Raumfahrt

Ariane trotz Rekordserie unter Preisdruck

von Redaktion

Von Martin Prem

München – Eigentlich ein guter Jahresausklang: Beim letzten Start in diesem Jahr setzte die 96. Ariane 5 letzte Woche vier Galileo-Satelliten planmäßig an ihren Plätzen im Orbit ab. Ein anspruchsvoller Auftrag, bei dem es auf die Sekunde ankommt. Dass nebenbei die europäische Trägerrakete mit 82 erfolgreichen Missionen in Folge ihren eigenen Rekord noch einmal verbessert hat, geriet fast zur Nebensache. Doch trotz der einmaligen Erfolgsserie steht der europäische Raketenbauer unter Druck.

Vor allem Space X des Tesla-Gründers Elon Musk hat sich zum besonders harten Konkurrenten für die Europäer entwickelt. Nun warf Pierre Godart, Geschäftsführer der Arianegroup in Deutschland, dem US-Konkurrenten unfaire Geschäftspraktiken vor. So biete Musk die Dienste seiner Falcon 9 in Europa für 50 Millionen Euro an. In den USA kassiere er bei Staatsaufträgen dagegen umgerechnet rund 100 Millionen. Bei der Ariane 5 geht man von 160 Millionen Euro pro Start aus.

Godart spricht sogar von einer „doppelten Marktverzerrung“. Denn zu US-Staatsaufträgen haben die Europäer gar keinen Zugang. Doch Space X kämpfe mit quersubventionierten Dumpingpreisen auch um europäische Staatsaufträge. Deshalb fordert Godart Garantien. Sollten fünf von elf jährlichen Starts der künftigen Ariane 6 durch Staatsaufträge aus Europa gesichert sein, könnte Ariane sich am Markt behaupten – und für Europa den eigenständigen Zugang zum Weltraum offenhalten.

Ohnehin sinken die Kosten für Raketenstarts: So soll die Ariane 6, die ab 2023 die bisherige Ariane 5 ersetzen soll, um 40 Prozent kostengünstiger sein. Um das zu erreichen, wurden nahezu alle Prozesse auf den Prüfstand gestellt – ganz ähnlich, wie es in den letzten Jahren auch in der Autoindustrie der Fall war.

Die europäische Trägerraketenindustrie ist nun nicht mehr ein lockerer Verbund von Unternehmen aus vielen Ländern – in dem beispielsweise am Bau einer Pumpe Firmen aus vier Nationen zusammengearbeitet haben. Mit der Arianegroup wurde daraus eine Firma unter einem Dach.

Auch die Lieferketten wurden gestrafft. Ariane hat es unmittelbar nun noch mit sieben Systemzulieferern zu tun – die ihrerseits Aufträge an Lieferanten der zweiten und dritten Reihe vergeben. So ist beispielsweise die Augsburger MT-Aerospace für alle Metall-Strukturteile der Ariane 6 zuständig.

Auch Produktion und Entwicklung arbeiten von Anfang an zusammen. Außerdem wird die neue Rakete zur Endmontage nicht mehr aufgestellt – wozu teure, riesige Hallen erforderlich sind. Sie wird zum Großteil liegend montiert – wie bisher etwa russische Raketen und die Falcons von Musk.

In einem zweiten Schritt – bis 2030 – wird das Vulcain-Triebwerk, das die erste Stufe der Ariane 5 und zunächst auch der Ariane 6 befeuert, durch den Nachfolger Prometheus ersetzt – der jetzt unter anderem am Münchner Ariane-Standort Ottobrunn/Taufkirchen entwickelt wird. Komponenten solcher Triebwerke, die bisher aus vielen – zum Teil aufwendig aus Rohlingen gefrästen – Teilen zusammengesetzt werden mussten, kommen künftig in einem Stück aus dem 3D-Drucker. Der Preis für ein Prometheus-Triebwerk soll eine Million Euro betragen. Bei Vulcain ist es noch das Zehnfache.

Allerdings ist beim Druck viel Entwicklungsarbeit zu leisten. Schon ein kurzer Stromausfall schafft eine Bruchstelle, die ein komplexes Teil unbrauchbar macht, wie Gerald Hagemann, der Ottobrunner Standortleiter der Arianegroup, erklärt.

Weil Prometheus nicht mehr mit Wasserstoff und Sauerstoff betrieben wird, sondern mit Methan und Sauerstoff, wird noch eine zweite Neuerung möglich: Die Raketen – oder Teile davon – werden wiederverwendbar.

Ob sich das lohnt, ist noch nicht entschieden. Auch Musk setzt auf die Wiederverwendung: Die Falcon 9 bekommt dazu eine Art Landegestell. Ähnlich wie die Mondfähren der amerikanischen Apollo-Missionen wollen Musks Techniker der Schwerkraft der Erde bei der Landung mit dem Triebwerk entgegenwirken. Das kostet zusätzlichen Sprit und verringert die Nutzlast.

Unterdessen bereitet sich Ariane 5 auf Start Nummer 97 vor. Am 25. Januar 2018 soll sie zwei Kommunikationssatelliten in den Orbit bringen.

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