Elektromobilität

BMW baut Batterien für die Post-Flotte

von Redaktion

von Martin Prem

München – Das Projekt galt als Blamage für die deutsche Autoindustrie: Weil die Post AG nach eigenen Angaben unter den traditionellen Autoherstellern keinen fand, der ihr als Großabnehmer einen eigenen Transporter entwickeln und bauen wollte, nahm sie die Sache selbst in die Hand. Sie kaufte Streetcsooter, ein auf Elektroautos spezialisiertes Start-up-Unternehmen im Umfeld der Rheinisch-westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Das Fahrzeug ist bereits im Einsatz. Die Post bietet es nun auch anderen Interessenten an.

Als Zulieferer waren überwiegend kleine und mittelständische Unternehmen mit an Bord, die sich zum Teil für das Projekt zu Gemeinschaftsunternehmen zusammengeschlossen haben. Kleine Firmen sind bei innovativen Ansätzen offenbar besser als die großen, war eine Botschaft. Zumindest an diesem Punkt ist eine Korrektur angebracht: In der Lieferkette spielt unter anderem Bosch, der weltgrößte Automobilzulieferer, eine entscheidende Rolle. Und die zentrale Komponente für ein Elektroauto kauft Streetscooter auch von einem der traditionellen Hersteller: Die Batterien in einem Teil – nicht in allen – der vollelektrischen Lieferfahrzeuge kommen aus Bayern. Die Module werden im BMW-Kompetenzzentrum für Elektromobilität in Dingolfing produziert. Diese Module sind baugleich mit denen des aktuellen i3.

Nun hat BMW mit Nutzfahrzeugen eigentlich nicht viel am Hut. Doch der Auftrag aus Aachen wird in Bayern auch als besondere Auszeichnung verstanden. Denn der Lieferverkehr mit seinem höheren Gesamtgewicht und – gerade bei der Post – dem ständigen Anhalten und Wiederanfahren ist eine extreme Herausforderung für die Batterien. „Die BMW-Hochvoltmodule sind beispielhaft für außerordentliche Zuverlässigkeit und Performance im Pkw-Bereich“, sagt Achim Kampker, Professor an der RWTH sowie Gründer und Chef der Streetscooter GmbH. „Sie ermöglichen uns, modernste elektrische Antriebstechnologie und integriertes Energiemanagement auch im anspruchsvollen Liefer- und Verteilerverkehr zu nutzen.“

Alexander Kotouc, Leiter des Produktmanagements bei BMW i, sieht die Partnerschaft mit Streetscooter als „Beweis dafür, dass Robustheit, Innovationskraft und Nachhaltigkeit bei zukunftsweisenden Antrieben sich keineswegs ausschließen müssen“. Er spricht von der „Weitsicht und Universalität des BMW i Konzeptes“. Das klingt hochtrabend, ist aber mit einem harten, im Hintergrund geführten Zweikampf mit Tesla um die zukunftsfähigere Batterietechnologie zu erklären.

Es ist noch nicht absehbar, welches Batteriekonzept das andere vom Markt verdrängen kann. Der Elektroauto-Pionier Tesla setzt auf weitverbreitete Rundzellen, wie es sie auch für viele Elektrogeräte gibt. Dagegen hat BMW sich für prismatische (eckige) Zellen entschieden. Beide Systemvarianten haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Experten streiten noch um die Frage, wer die Nase am Ende vorn haben wird.

Die Münchner Entwickler des i3 haben den Schwerpunkt ihrer Entwicklungsarbeit auf hohe Belastbarkeit im Großstadtverkehr, möglichst geringes Gewicht und kompakte Maße gesetzt und dafür Abstriche bei der Reichweite in Kauf genommen. Das wurde am i3 auch immer wieder kritisiert. Das Konzept hat aber offenbar Vorteile im städtischen Lieferverkehr, einem in naher Zukunft besonders wichtigen Wachstumssektor für Elektromobilität.

Die Post ist aber nicht der einzige Abnehmer von BMW-Hochvoltbatterien. Bereits im Sommer hat das Unternehmen bekannt gegeben, dass auch Torqeedo aus Gilching (Kreis Starnberg), ein Pionier auf dem Gebiet elektrischer Bootsantriebe, Stromspeicher des BMW i3 verbaut.

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