Technikmesse Las Vegas

Der Kampf um das schärfste Bild

von Redaktion

Von Paul Waldherr

Las Vegas – Im Kreis der großen TV-Anbieter steht Samsung zwar immer noch unangefochten an der Spitze. Was die Bildqualität der Spitzenmodelle anbelangt, ist der koreanische Hersteller mit seinen Q-LED-Modellen gegenüber den Konkurrenz-Geräten mit O-LED-Bildschirmen (Organische Leuchtdioden) aber mittlerweile ins Hintertreffen geraten.

Q-LED und O-LED

Bedingt durch ihren technischen Aufbau hat die nicht selbstleuchtende Q-LED-Technik gegenüber den selbstleuchtenden O-LED-Schirmen Nachteile. Durch ihren Aufbau – Hintergrundbeleuchtung, Nanofarbpartikelschicht und LCD-Pixel – sind solche Displays verhältnismäßig dick. Zudem sperren die als Lichtventile dienenden LCD-Pixel das Hintergrundlicht nicht vollständig ab. Das hat Folgen für die Zuschauer: Blickt man seitlich auf den Bildschirm, wird aus Schwarz ganz schnell ein mattes Grau. Die Farben werden blasser und die Kontraste flauer.

Selbstleuchtende O-LED-Fernseher können dagegen mit etwa fünf Millimetern sehr dünn gebaut werden, sie glänzen mit sattem Schwarz und leuchtenden Farben aus allen Blickwinkeln, weil hier die Bildpunkte bei Bedarf einfach abgeschaltet werden können. Samsung ist der einzige Hersteller, der Q-LED-Schirme anbietet, alle anderen namhaften Hersteller verbauen in ihren hochwertigen Fernsehern O-LED-Technik von LG Displays, dem zweiten großen koreanischen Hersteller von Bildschirmen.

Neue µ-LED-Technik

Auf der Elektronik-Messe in Las Vegas präsentiert Samsung nun aber als weltweit erster Hersteller mit „The Wall“ einen wandfüllenden 146 Zoll (3,71 Meter) großen Bildschirm in sogenannter µ-LED-Technik. Ähnlich wie die Anzeige im Bundesligastadion oder haushohen Werbedisplays, besteht dieser Schirm aus einem Raster von selbstleuchtenden, anorganischen Leuchtdioden (LED).

Im Unterschied zur organischen Konkurrenz sind solche LEDs beständiger in der Alterung und benötigen auch keine Farbfilter. Samsung ist es gelungen, die relativ großen LEDs auf Bildpunkte von 0,6 bis 0,8 Millimeter Größe zu schrumpfen. Zudem besteht der Bildschirm nicht mehr aus einer einzigen homogenen Display-Fläche, bei der jede Größe seine eigene Fertigungsstraße braucht; er wird aus etwa rund 20 Zentimeter großen Kacheln zusammengesetzt. Das macht es relativ einfach, diesen Bildschirm in verschiedenen Größen anzubieten.

Größe ist variabel

In der Zukunft ist es vielleicht sogar möglich, dass der Händler vor Ort die Größe des Fernsehers individuell nach Kundenwünschen anpasst, schwärmten zumindest Samsung-Vertreter bei der Präsentation in Las Vegas. In der Tat ist der erste Bildeindruck dieses Schirms überwältigend und der herkömmlichen O-LED-Technik in Kontrast, Farbe, Schwarzwert und Blickwinkelstabilität mindestens ebenbürtig.

Allerdings muss auch der Betrachtungsabstand so weit sein, dass man den ganzen Schirm im Blick hat. Nähert man sich dem Display dagegen bis zur Nasenspitze, dann zeigt der Bildschirm zwei Schwächen: Von Nahem ist das Raster der Bildpunkte deutlich zu erkennen. Blickt man zudem schräg auf die Bildschirmoberfläche, sind die Stoßkanten der einzelnen Kacheln als feine schwarze Haarlinien zu erkennen.

Ausschnitt wählen

Eine weitere interessante Eigenschaft dieses Bildschirms ist auch, dass seine Fläche nicht zwingend nur als Vollbild-Fernseher genutzt werden kann. Es ist ebenso möglich, das TV-Bild nur auf einem Bereich der Fläche darzustellen. Auf dem übrigen Bildschirmteil lässt sich die Smartphone-Anzeige, ein Gemälde oder eine extravagante Tapete darstellen. Bei Samsung ist man zuversichtlich, dass in Deutschland noch in diesem Jahr serienreife Geräte angeboten werden können. Zum Verkaufspreis machte das Unternehmen keine Angaben.

Rollschirme von LG

LG Displays zeigt in Las Vegas, mit welchen Entwicklungen man dort die O-LED-Technik in den nächsten Jahren vorantreiben will. Neben einem 85 Zoll großen und nur fingerdicken Display ist dort auch ein aufrollbarer O-LED-Bildschirm zu sehen. Dieses Display befindet sich in einem etwa zwei Meter breiten und rund 30 Zentimeter hohen grauen Kasten.

Bei Bedarf wird es mittels Fernbedienung hochgefahren und kann in verschiedenen Höhen gestoppt werden: Etwa um als 30 Zentimeter hoher Infoschirm für Wetterdaten und Uhrzeit zu dienen oder bis zur vollen Größe ausgefahren als 65 Zoll (1,65 Meter) großer TV-Bildschirm. Dabei ist die hachdünne O-LED-Oberfläche fugenlos. Lediglich seine etwa ein Zentimeter dicke Rückseite ist in einzelne Lamellen unterteilt, wie man es etwa von Rollladen-Schreibtischen kennt. Nach Angaben des Herstellers soll der Bildschirm rund 100 000 Einrollvorgänge schadlos überstehen. In zwei bis drei Jahren soll die Technik marktreif sein und nicht an Endkunden, sondern an andere Hersteller zur weiteren Fertigung verkauft werden.

Technik für alte DVDs

DVD-Filme in alter Auflösung sehen auf Full-HD-Bildschirmen grenzwertig aus. Auf modernen 4K-Fernsehern ist, zumindest als Vollbild, ihr Inhalt wegen der geringen Bildauflösung kaum zu erkennen. Und die Entwicklung schreitet fort. Inzwischen bieten serienreife Fernseher bereits eine 8K-Auflösung. Film-Enthusiasten bleibt bisher nichts anderes übrig, sich ihre Schätze nach VHS, DVD und Blu-ray noch ein weiteres Mal als UHD-Premium-Blu-ray zu kaufen oder einen Streamingdienst zu abonnieren. Für diese Klientel hat Samsung nun einen neuen Bildprozessor mit künstlicher Intelligenz entwickelt. In den kommenden 8K-Geräten soll er dafür sorgen, dass selbst gering aufgelöste DVD-Videos bei einer hohen Bildschirm-Auflösung gestochen scharf aussehen. Der Bildprozessor analysiert dazu jede einzelne Bildszene und versucht, die darin enthaltenen Objektgrenzen und ihre Texturen zu erfassen.

Auf Basis einer Objektdatenbank und mittels Algorithmen werden vom KI-Prozessor anschließend beim Hochskalieren fehlende Details hinzugerechnet, anschließend das Rauschen reduziert und zum Schluss die Kanten geglättet. Zumindest beim in Las Vegas gezeigten Demo-Material funktionierte das Verfahren verblüffend gut. Was dieser KI-Prozessor tatsächlich zu leisten vermag, kann sich erst zeigen, wenn die Geräte ausgeliefert und mit „echten“ DVDs konfrontiert werden.

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