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Freiheit für Puma

von Redaktion

Herzogenaurach – Gucci, Brioni, Puma – so richtig hat der fränkische Sportartikelhersteller nie zum französischen Luxuskonzern Kering gepasst. Über eine Trennung wurde daher schon häufig spekuliert. Nun macht Kering den Schritt wahr und entlässt die Marke mit dem Raubkatzenlogo nach mehr als zehn Jahren in die Unabhängigkeit. Puma-Chef Bjørn Gulden jubelt und freut sich auf schnellere Entscheidungen. Doch ohne den großen Konzern im Rücken lastet auf den Franken auch mehr Eigenverantwortung. Branchenkenner erwarten trotzdem, dass das Unternehmen langfristig profitiert.

„Wir sehen für unser Geschäft bei diesem Vorhaben keine Nachteile“, sagt Gulden. Kering hielt bislang 86 Prozent an dem Unternehmen. Nun wollen die Franzosen aus dem Sportmarkt aussteigen und sich auf das gewinnträchtigere Geschäft mit Mode, Schmuck und Accessoires im Luxussegment konzentrieren. Dafür will Kering 70 Prozent der Puma-Anteile an seine eigenen Aktionäre weitergeben und selbst nur noch rund 16 Prozent behalten. Artémis, die Familienholding von Kering-Chef François-Henri Pinault, werde damit künftig etwa 29 Prozent an Puma halten.

Ähnlich war Kering vorgegangen, als sich der Konzern vor einigen Jahren von der auf Unterhaltungsprodukte spezialisierten Handelskette Fnac trennte. Auch damals wurden die Anteile an die eigenen Aktionäre ausgeschüttet und das Unternehmen 2013 an die Börse gebracht. Die Pinault-Holding Artémis blieb bis zum vergangenen Jahr ein wichtiger Aktionär, dann verkaufte sie ihren Anteil an das deutsche Handelsunternehmen Ceconomy (Mediamarkt/Saturn).

Bei Puma wolle Artémis ein „langfristiger strategischer Aktionär“ bleiben, hieß es. Einen Mehrheitsaktionär würde es dann jedoch nicht mehr geben, 55 Prozent statt bisher nur 14 Prozent der Puma-Aktien wären künftig frei handelbar. Damit stiegen auch die Chancen, vom Nebenwerteindex SDax in den MDax zurückzukehren, sagt Puma-Chef Gulden. Wie genau Kerings Puma-Anteile verteilt werden, ist noch unklar. Der Konzern will dazu bis zum 26. April einen Vorschlag vorlegen, dem die Aktionäre noch zustimmen müssen. Anschließend werde die Eigenständigkeit Pumas „sehr schnell“ gehen, sagte Gulden.

Nach Ansicht des Norwegers ist die Entscheidung aus Paris jedoch „ein Optimum unter den Optionen, die ich kenne“. Laut informierten Kreisen wurden für Puma mehrere Möglichkeiten diskutiert – darunter auch ein Verkauf. Das nun gewählte Vorgehen berge jedoch weniger Risiken, denn ein neuer Mehrheitseigentümer hätte auch die Strategie von Puma infrage stellen können. Außerdem müsse Kering angesichts seiner guten Finanzlage kein Geld aus der Transaktion ziehen, hieß es. Nun bleiben Kering und Artémis eine Art Anker-Investoren, was durchaus als Zeichen des Vertrauens gewertet werden kann. Auch wenn die Puma-Aktie nach Bekanntgabe der Entscheidung zunächst heftig an Wert einbüßte – langfristig werde die Trennung positiv für die Franken sein, sind sich mehrere Experten einig.

catherine simon

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