EZB hält an Geldschwemme fest

Die Angst vor einem Handelskrieg wächst

von Redaktion

Frankfurt – EZB-Präsident Mario Draghi hat nach den Äußerungen zum Dollar-Kurs von US-Finanzminister Steven Mnuchin sprachliche Zurückhaltung angemahnt. Handelspartner sollten Äußerungen unterlassen, die Schwankungen an den Währungsmärkten verursachen könnten, sagte Draghi am Donnerstag in Frankfurt, ohne dabei direkt Bezug auf Mnuchin zu nehmen.

Der US-Finanzminister hatte am Vortag beim Weltwirtschaftsforum in Davos gesagt, dass ein schwächerer Dollar „gut“ für die USA sei. Beobachter werteten dies als möglichen Versuch der US-Regierung, den Kurs des Dollar weiter zu schwächen, um damit Ausfuhren aus den USA billiger zu machen und so US-Exporteure gegenüber Unternehmen aus China und anderen Ländern zu stärken.

Der Euro überstieg am Donnerstag erstmals seit Dezember 2014 die Marke von 1,25 Dollar. Die jüngsten Schwankungen bei den Wechselkursen stellten „eine Quelle von Unsicherheit“ dar, sagte Draghi. Dies mache eine „Beobachtung“ dieser Schwankungen mit Blick auf die möglichen Auswirkungen auf die mittelfristige Entwicklung der Preisstabilität erforderlich, sagte der EZB-Präsident.

Ein starker Euro verbilligt Importe und drosselt damit den Anstieg der Verbraucherpreise. Die Entwicklung steht somit dem Ziel der Zentralbank entgegen, die derzeit vergleichsweise niedrige Inflation in der Eurozone auf knapp unter zwei Prozent ansteigen zu lassen. Zugleich ist ein hoher Euro-Kurs nachteilig für die Exporte von Unternehmen aus dem Euroraum. Der weiter gestiegene Euro setzt denn auch den Deutschen Aktienindex Dax unter Druck.

Vor einem Jahr hatte der Euro mit 1,07 Dollar nur knapp über der Parität gestanden. Doch er gewann 2017 nach seinem Jahrestief von 1,05 Dollar nach und nach an Wert, wobei sich der Anstieg in der zweiten Jahreshälfte beschleunigte.

Jüngster Kurstreiber waren Maßnahmen der US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Die größte Volkswirtschaft der Welt will künftig importierte Waschmaschinen und Solarmodule mit hohen Strafzöllen belegen. Die protektionistische Politik von Trump schürte am Devisenmarkt die Furcht vor einem Handelskrieg. „Trump trampelt auf dem Dollar herum“, fasste Devisenexpertin Antje Praefcke von der Commerzbank die Marktentwicklung zusammen. Außerdem wird befürchtet, dass Trump in einer für Freitag erwarteten Rede in Davos erneut protektionistische Töne anstimmen könnte. „Trompetet Trump in Davos weiter Protektionismus, bleibt der Dollar aus Sorge vor einem drohenden Handelskrieg unter Druck“, sagte Praefcke.

Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent, wie die Notenbank im Anschluss an die erste Zinssitzung des EZB-Rates in diesem Jahr mitteilte. „Auf Basis der heutigen Daten und Analysen sehe ich sehr wenig Chancen, dass die Zinsen in diesem Jahr steigen könnten“, dämpfte EZB-Präsident Mario Draghi Hoffnungen von Sparern.

Die Währungshüter gaben auch keinen Hinweis auf eine Straffung ihrer ultralockeren Geldpolitik. Zuletzt war spekuliert worden, die Notenbank könnte die Wortwahl zum künftigen Kurs ändern oder gar das Ende der milliardenschweren Anleihenkäufe andeuten. Die Diskussion über die Wortwahl habe im EZB-Rat noch nicht begonnen, sagte Draghi. Noch mindestens bis Ende September erwirbt die EZB also Monat für Monat Staats- und Unternehmensanleihen für 30 Milliarden Euro.

Ökonom Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) kritisierte, die EZB gebe den Märkten nicht genügend Orientierung zum Ende der Anleihenkäufe: „Die Kluft zwischen der guten wirtschaftlichen Lage der Eurozone und der immer noch sehr vorsichtigen Tonlage der EZB wächst.“ Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, Christian Ossig, sprach von einer vertanen Chance, „ein neues Signal in Richtung einer geldpolitischen Normalisierung zu senden“.  mm/dpa

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