München – Das lästige Wechseln von SIM-Karten könnte für Handy- und Smartphone-Besitzer schon bald der Vergangenheit angehören: Geht es nach dem Münchner Technologie-Unternehmen Giesecke + Devrient (G+D), dürfte die sogenannte E-SIM-Karte die herkömmliche SIM-Karte in den kommenden Jahren vom Markt verdrängen – vor allem in Europa und in den USA. „Die E-SIM ist bereit für den Massenmarkt“, sagte G+D-Produktmanager Andreas Morawietz gestern in München.
Anders als herkömmliche SIM-Karten ist die E-SIM fest im Smartphone oder im Tablet verlötet. Das „E“ steht für „embedded“, zu Deutsch: „eingebettet“ oder „eingebaut“. Anders als eine herkömmliche SIM-Karte lässt sich die E-SIM nicht aus dem Gerät entfernen. Stattdessen verfügt der Nutzer über ein individuelles E-SIM-Profil, das auf einem Server gespeichert ist und bei einem Handy-Wechsel problemlos auf die E-SIM des neuen Geräts gespielt werden kann.
Die Technik bietet weitere Vorteile: Zum einen ist die E-SIM kleiner als ein Ein-Cent-Stück und verbraucht damit deutlich weniger Platz in einem Smartphone als eine herkömmliche SIM-Karte. Damit entsteht wertvoller Raum für den Geräte-Hersteller, um ihn für andere Bauteile zu nutzen. Auch lassen sich wasserdichte Handys oder mobilfunkfähige Fitnessarmbänder einfacher produzieren, da bei E-SIM-Geräten die seitliche Öffnung wegfällt. Genauso lässt sich die E-SIM-Technik in der Industrie einsetzen, Autos und Maschinen können einfacher über das Mobilfunknetz miteinander kommunizieren.
Für Handy-Nutzer ist der entscheidende Vorteil aber ein anderer: Eine einzige fest eingebaute E-SIM-Karte lässt sich für mehrere Mobilfunk-anbieter gleichzeitig nutzen, erklärt Morawietz. Wer beispielsweise für Reisen ins außereuropäische Ausland bislang eine zweite SIM-Karte des jeweils lokalen Mobilfunkanbieters nutzt, um teure Roaming-Gebühren zu sparen, muss die SIM-Karte künftig nicht mehr wechseln – der Anbieterwechsel soll anhand des individuellen Profils spielerisch leicht ablaufen.
Die E-SIM-Technik ist nicht völlig neu, in einigen Produkten wird sie bereits eingesetzt. Giesecke liefert die Technik bereits an prominente Kunden: Zum einen haben Apple und Samsung die E-SIM-Technik aus München in ihren smarten Uhren verbaut. Google hat E-SIM-Chips in sein Pixel-Smartphone integriert. In einem Tablet von Huawei ist die Technik ebenfalls zu finden.
Was bislang noch fehlt, ist der Durchbruch am Massenmarkt – aber den sieht Giesecke + Devrient jetzt offenbar gekommen. Wie groß das Marktpotenzial ist, erklärt Morawietz am weltweiten Produktions-Volumen von herkömmlichen SIM-Karten: „Jedes Jahr werden weltweit fünf Milliarden SIM-Karten ausgeliefert“, sagt der G+D-Manager.
Giesecke + Devrient – eigentlich bekannt für den Druck von Bargeld – verspricht den Mobilfunkfirmen und Geräteherstellern vor allem eines: Der nächste Digitalisierungsschritt in der Branche ist sicher. Dass das Unternehmen aus München ausgerechnet gestern seine Zukunftsperspektiven der Öffentlichkeit präsentiert hat, ist kein Zufall. In gut zwei Wochen startet in Barcelona die weltweit wichtigste Messe der Mobilfunkbranche, der Mobile World Congress.
Zu der viertägigen Veranstaltung kommen Jahr für Jahr Konzernchefs und Top-Entscheider aus der ganzen Welt nach Spanien. Mobilfunkfirmen wie Vodafone oder die Deutsche Telekom sind vertreten, genauso Gerätehersteller wie Samsung oder Huawei. Am 26. Februar startet der Kongress. Dann wird Giesecke womöglich etwas genauer wissen, wie schnell die neue Technologie wirklich kommen wird.