„Ruhig bleiben, wenn die Kurse mal wieder nach unten gehen“

von Redaktion

Christine Bortenlänger vom Deutschen Aktieninstitut in Frankfurt erklärt im Interview, warum es wieder mehr Aktionäre in Deutschland gibt.

-2017 ist die Zahl der Aktionäre um 1,1 Millionen zum Vorjahr gestiegen. Haben die niedrigen Zinsen und steigende Börsenkurse den Aktienboom in Deutschland befeuert?

Niedrige Zinsen und steigende Kurse sind sicher ein wichtiger Faktor. Allerdings scheinen die Menschen auch grundsätzlich zunehmend zu erkennen, dass sich Aktien und Aktienfonds besonders gut für den langfristigen Vermögensaufbau und zur Vorsorge für das Alter eignen, weil sie in der langen Frist deutlich mehr Ertrag als das Sparbuch bieten.

-Wiederholen die Deutschen den Fehler der Jahrtausendwende, dass sie zu Höchstständen einsteigen und hinterher enttäuscht werden?

Jetzt freue ich mich erst einmal über ein gewachsenes Interesse an der Aktie. Wenn die Kurse einmal wieder nach unten gehen, sollten neue wie alte Aktienbesitzer ruhig bleiben und weiter regelmäßig in Aktien sparen, wie das zum Beispiel mit einem Aktienfondssparplan möglich ist. Wenn die Anleger so handeln, dann kommt es nicht auf das Timing an, denn sie setzen auf die langfristige Entwicklung am Aktienmarkt. Und die Erträge von Aktien waren in der Vergangenheit überaus positiv – trotz aller Krisen.

-Im internationalen Vergleich bleibt die Aktienquote in Deutschland gering. Woran liegt das?

Unter vielen Gründen ist die Organisation unserer Rente der wichtigste. Wir müssen die private und betriebliche Altersvorsorge stärken, die die Beiträge der künftigen Rentner am Kapitalmarkt anlegt. Diese Gelder müssen zudem stärker in die Aktie fließen, damit die Kapitalmarktanlage auch reichlich Früchte für den Ruhestand trägt und die gesetzliche Rente ergänzen kann.

-Die Mehrheit der Aktionäre in Deutschland ist älter als 50 Jahre. Fehlt den Jüngeren das Interesse an Aktien oder schlicht das Vermögen?

Jüngere Menschen stehen am Anfang ihres Berufslebens und verfügen daher über weniger Einkommen. Es ist natürlich, dass sie weniger am Aktienmarkt engagiert sind. Das heißt aber nicht, dass die Jüngeren zu lange mit dem Sparen in Aktien warten sollten. Wer noch viel Zeit bis zur Rente hat, kann monatlich kleinere Beträge zur Seite legen, um ein hohes Endvermögen zu erzielen. Auch kann er zwischenzeitliche Kursrückschläge viel besser aussitzen. Auch jüngere Menschen sollten sich daher im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit Aktienanlage beschäftigen. Das geht bereits mit 25 Euro im Monat. Es freut mich aber, dass dies offenbar viele beherzigen. Seit einigen Jahren steigt nämlich die Zahl der jüngeren Anleger wieder.

Interview: Sebastian Hölzle

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