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Neuanfang für die Deutsche Börse

von Redaktion

Von rolF Obertreis

Frankfurt – Richtig in seine Karten schauen lässt sich Theodor Weimer nach rund sechs Wochen an der Spitze der Deutschen Börse noch nicht. Für die Ausarbeitung einer detaillierten Strategie will er sich bis Ende Mai Zeit lassen. Klar ist aber eines: Einen neuen Anlauf zu einer Fusion mit der Londoner Börse wird es mit Weimer nicht geben. „Für die nächsten Jahre ist das kein Thema. Da würden Sie sich ja lächerlich machen.“

Generell gehe es für die Deutsche Börse nicht um den großen Wurf. „Wir streben keine Revolution an. Es geht um Evolution und um solide Hausmannskost“, sagte der frühere Chef der HypoVereinsbank gestern auf der Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt. Für 2018 verspricht er wegen wieder stärkeren Schwankungen an der Börse und weiterer Kostensenkungen eine Umsatzsteigerung um mindestens fünf Prozent. Der Gewinn soll um zehn bis 15 Prozent zulegen.

Nach der gescheiterten Fusion mit der Londoner Börse im vergangenen Jahr, den Insiderermittlungen gegen seinen Vorgänger Carsten Kengeter und dessen vorzeitigem Abgang will Weimer den Börsenbetreiber wieder in ruhigeres Fahrwasser führen und das angeschlagene Verhältnis zu Aufsehern und zur Politik wieder ins Lot bringen. „Ich werde alles dafür tun, das Jahr 2018 zu einem Jahr des Neuaufbruchs zu machen.“ Generell sei die Deutsche Börse sehr wettbewerbsfähig aufgestellt. Jetzt gehe es darum, Wachstumschancen besser zu nutzen.

Weimer zufolge hat das Unternehmen derzeit 1,3 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln, die für Zukäufe bereit stehen. An kleinere Börsen denkt der neue Vorstandschef dabei weniger, eher an Anbieter von Finanz- und Börsendaten. Zwar will die Deutsche Börse auch aus eigener Kraft wachsen, aber ohne Zukäufe sei Wachstum auch nicht möglich. „Börsengeschäft ist ein Skalengeschäft. Größe ist zentral für unseren Erfolg.“ Umgekehrt sieht Weimer keine Gefahr, dass die Deutsche Börse nach der gescheiterten Fusion mit London selbst übernommen werden könnte.

Wegen des Brexit besteht nach Ansicht des neuen Vorstandschefs gerade 2018 „die einmalige Chance“ Frankfurt zu einer glaubwürdigen Alternative zum Standort London aufzubauen. Dazu sei es wichtig, die Abwicklung von Finanzgeschäften in Euro (das sogenannte Euro-Clearing) nach dem Brexit am Main anzusiedeln.

Die Deutsche Börse ist deshalb bereits eine Partnerschaft mit den 25 großen Banken eingegangen, um diesen Prozess zu stützen und voranzutreiben. Weimer forderte die Politik auf, die Bemühungen zu unterstützen, das Euro-Clearing nach Frankfurt zu holen.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Carsten Kengeter lehnt Weimer ein für ihn extra aufgelegtes Vergütungspaket ab. „Ich will kein Extra-Programm und ich hätte es auch nicht angenommen.“ Der neue Börsen-Chef erhält eine Festvergütung von 1,5 Millionen Euro und einen vom Unternehmenserfolg abhängigen Bonus. Außerdem kauft er in drei Tranchen über drei Jahre verteilt über einen externen Dienstleister jeweils für 1,5 Millionen Euro Aktien des Unternehmens.

Kengeter war unter anderem über von der Börse mitfinanzierte Aktiengeschäfte gestolpert. Angeblich hat er dabei gegen Insidervorschriften vorstoßen. Die Ermittlungen laufen immer noch, sowohl gegen Kengeter als auch gegen die Deutsche Börse.

Ihre selbst gesteckten Ziele hat die Deutsche Börse 2017 nicht erreicht. „Das Jahr war nicht einfach“, sagte Weimer. Grund war unter anderem die gute, von Kursschwankungen weitgehend freie Entwicklung an den Finanzmärkten. Dadurch bestand für Investoren kaum Anlass, Geschäfte abzusichern. Gerade an stärkeren Schwankungen der Kurse nach oben und unten und an der dafür notwendigen Absicherung verdient der Börsenbetreiber Geld.

Folglich stieg der Netto-Umsatz nur um drei Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro, der Netto-Gewinn um sechs Prozent auf 857 Millionen Euro. Eigentlich war ein Umsatzplus von fünf bis zehn Prozent angepeilt, beim Gewinn sollte es um zehn bis 15 Prozent nach oben gehen.

Trotz der schwächeren Bilanz soll die Dividende der Deutschen Börse von 2,35 auf 2,45 Euro steigen. Der Vorstand muss sich dagegen mit einem geringeren Bonus abfinden. „Schließlich haben wir die gesetzten Ziele nicht erreicht“, sagt Finanzvorstand Gregor Pottmeyer.

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