München – Dass es die Stadtsparkasse München mit der Digitalisierung ernst meint, versuchte sie gestern einmal mehr unter Beweis zu stellen. In ihrer Zentrale nahe des Münchner Marienplatzes hat Vorstandschef Ralf Fleischer einen neuen Mitarbeiter eingestellt: Keinen Menschen aus Fleisch und Blut, sondern einen weißen Roboter namens „Monaco Pepper“, etwa 1,20 Meter groß und vollgestopft mit Sensoren. Sein Verstand aus Nullen und Einsen soll den Roboter in die Lage versetzen, Sparkassen-Kunden künftig durch ein „Digital-Center“ in der Empfangshalle zu führen. Dort soll das Gefährt den Kunden die mobilen Produkte des Instituts nahe bringen.
Eine nette Spielerei, die den Blick optimistisch in die digitale Zukunft richtet und etwas davon ablenkt, dass die Digitalisierung und der Trend zum Online-Banking die Stadtsparkasse bislang eher zu drastischen Sparmaßnahmen gezwungen haben: Vor einem Jahr hatte die Stadtsparkasse den Abbau von Arbeitsplätzen beschlossen, im Herbst kündigte das Institut die Schließung zahlreicher Filialen in München an – ein Trend, der bei fast allen bayerischen Sparkassen zu beobachten ist. Bei einem Riesen-Institut wie der Stadtsparkasse München – die mit Abstand größte Sparkasse in Bayern und die fünftgrößte in Deutschland – sind die Folgen umso stärker spürbar.
Dabei hat nicht nur die Digitalisierung die Stadtsparkasse München im Griff: Genauso kämpft das Institut mit den Folgen der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), deren Leitzins seit knapp zwei Jahren bei Null verharrt und das Institut zusätzlich unter Druck setzt.
Die gestern veröffentlichten Bilanz-Eckdaten des Instituts zeigen, welche Folgen das hat: Demnach sind die Gewinne aus dem Zinsgeschäft im vergangenen Jahr weiter eingebrochen. Der Zinsüberschuss schrumpfte um 18 Millionen auf 254 Millionen Euro, ein Einbruch um 6,5 Prozent. „Die Negativzinspolitik der EZB hat uns rückläufige Ergebnisse beschert“, begründete Fleischer das Minus. Denn nähern sich Einlagezins und Kreditzins immer weiter an – was in den vergangenen Jahren branchenweit zu beobachten war – verdienen Banken und Sparkassen mit der Kreditvergabe weniger Geld. „Der alte Spruch, die Bank arbeite mit dem Geld der Kunden, ist hinfällig geworden“, sagte Fleischer.
Immerhin ist es dem Sparkassen-Chef vergangenes Jahr gelungen, den Einbruch im Zinsgeschäft mit dem Zuwachs eines zweiten Geschäftsfeldes vollständig zu kompensieren: Die Überschüsse aus Provisionen, die beispielsweise beim Verkauf von Fonds, Versicherungen oder Bausparverträgen entstehen, sind vergangenes Jahr exakt um den selben Betrag gestiegen, wie die Zinsüberschüsse eingebrochen sind – um 18 Millionen Euro. Der Provisionsüberschuss lag damit bei 124 Millionen Euro und 16,1 Prozent höher als noch ein Jahr zuvor. Das sei das beste Provisionsergebnis aller Zeiten gewesen, sagte Fleischer. Rund 250 000 Beratungsgespräche mit Kunden habe man 2017 geführt, 30 000 mehr als 2016.
In Zukunft will Fleischer den Verkauf von Finanzprodukten weiter ankurbeln: „Wir sind darauf angewiesen, das Provisionsgeschäft weiter auszubauen“, sagte er. Eine Gefahr, dass Kunden damit Produkte kaufen, die sie am Ende womöglich gar nicht benötigen, sieht Fleischer nicht. Man verfolge einen „ganzheitlichen Beratungsansatz“, der sich am tatsächlichen Bedarf der Kunden orientiere, versprach er.
Unterm Strich lag der Gewinn der Stadtsparkasse im vergangenen Jahr bei 41 Millionen Euro – so viel wie in den Jahren zuvor. Dass der Gewinn stabil geblieben ist, ist unter anderem auch den Einsparungen zu verdanken.
Sebastian Hölzle