US-strafzölle auf Stahl und aluminium

Sorge vor weltweitem Handelskrieg

von Redaktion

München – Donald Trumps Strafzoll-Ankündigung hat international scharfe Kritik ausgelöst. Insbesondere nachdem der US-Präsident am Freitag nachlegte – und mit Strafzöllen auf weitere Produkte drohte. Die Handelspartner wollen sich wehren – der Auftakt zu einem Handelskrieg?

-Warum will Trump Strafzölle einführen?

Arbeitsplätze zurück in die USA zu holen – das war ein zentrales Versprechen der „America First“-Strategie, mit der sich Trump die Präsidentschaft sicherte. Auch bei den Strafzöllen argumentiert er so: Es sei „schändlich“, dass die heimische Produktion über Jahrzehnte hinweg durch die ausländische Konkurrenz beschädigt worden sei. Durch die Schutzmaßnahmen könnten die US-Unternehmen deutlich wachsen und neue Jobs schaffen. Konkret sollen die Strafzölle künftig für Stahlimporte bei 25 Prozent und für Aluminium bei zehn Prozent liegen. Laut Trump sollen die Maßnahmen in der kommenden Woche in Kraft gesetzt werden und „für eine lange Zeit“ gelten. Unklar ist bislang, ob sie sich gegen sämtliche Einfuhren richten oder bestimmte Handelspartner ausgenommen werden. Offiziell begründet werden die Strafzölle mit dem nationalen Verteidigungsinteresse der USA – Stahl und Aluminium seien für das Militär und die Infrastruktur von zentraler Bedeutung. Aus Sicht der Wirtschaftsvereinigung Stahl verstößt der Schritt eindeutig gegen Regeln der Welthandelsorganisation.

-Welche Auswirkungen hätten die Zölle?

Die USA sind der größte Stahlimporteur der Welt. Die meisten Produkte importiert das Land aus Kanada (16 Prozent), Brasilien (13 Prozent) und Südkorea (zehn Prozent). Trump hat zwar in erster Linie China mit seiner gigantischen Überproduktion an Stahl und Aluminium im Visier. Doch Wirtschaftsverbände warnen, dass auch deutschen Unternehmen ein Schaden in Millionenhöhe entstehen könnte. Im vergangenen Jahr waren die USA für Deutschlands Stahlindustrie der wichtigste Markt außerhalb der EU: Knapp eine Million Tonnen Walzstahl wurden dorthin ausgeführt. Noch weitaus schwerwiegender könnten allerdings die indirekten Folgen der US-Abschottung sein – denn die deutsche Stahlbranche befürchtet, dass Millionen Tonnen Stahl, die auf dem US-Markt dann keine Chance mehr haben, stattdessen in der EU landen. Europa werde so „von einer neuen Stahlschwemme bedroht“, befürchtet die Wirtschaftsvereinigung Stahl.

-Würden Zölle die bayerische Wirtschaft treffen?

Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) befürchtet, dass auch in den USA produzierende deutsche Automobilfirmen und deren Zulieferer betroffen sein könnten. BMW hat sein weltweit größtes Werk in Spartanburg in den USA. Das Land ist Bayerns wichtigster Handelspartner. Der Freistaat exportierte 2017 Waren im Wert von 21,5 Milliarden Euro in die USA. Aluminium wurde im Wert von 29 Millionen Euro geliefert, Stahlprodukte im Wert von 21 Millionen Euro. In beiden Fällen entspricht das lediglich rund 0,1 Prozent aller Exporte Bayerns in die USA. Durch das US-Vorgehen bestehe jedoch das große Risiko einer unglückseligen Kettenreaktion, warnt BIHK-Präsident Eberhard Sasse. Auch Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), fürchtet einen „Dominoeffekt“. „Unsere stark exportorientierten bayerischen Unternehmen sind auf offene Märkte und ein funktionierendes Welthandelssystem angewiesen. Die Entscheidung der Trump-Administration ist ein Schlag gegen den freien Welthandel“, so Brossardt.

-Sind Gegenmaßnahmen zu erwarten?

Ja. Europa, aber auch Kanada, Brasilien, Mexiko sowie China kündigten Gegenmaßnahmen an und mahnten Washington zur Zurückhaltung. Die EU könnte bereits am kommenden Mittwoch Vergeltungsmaßnahmen einleiten. Die Vorbereitungen für einen solchen Fall seien abgeschlossen, sagte ein Sprecher am Freitag. „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die tausende europäische Arbeitsplätze gefährden“, drohte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Die Bundesregierung sagte ihre Unterstützung zu. Das Problem der weltweiten Überkapazitäten lasse sich mit solchen einseitigen Maßnahmen der USA nicht lösen. Man stehe an der Seite der für Handelspolitik zuständigen EU-Kommission, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert.

-Droht jetzt ein Handelskrieg?

„Das Risiko ist deutlich gestiegen, dass es zu einem Handelskrieg kommt, bei dem alle verlieren werden“, warnte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Auch Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht die aktuelle Entwicklung mit Sorge: „Für den Welthandel droht jetzt eine kollektiv irrationale Ausweitung von Strafzöllen, wenn die USA ihrerseits auf die EU reagieren und weitere Strafzölle einführen.“ Trumps Strafzölle, aber auch mögliche Gegenmaßnahmen könnten die globalen Handelsströme empfindlich stören. Unternehmen sind heute in ihren Produktionsprozessen und Lieferbeziehungen stark vernetzt. In die Reaktionen auf Trumps Vorstoß mischten sich neben Kritik deshalb auch Mahnungen zur Zurückhaltung. Trump selbst goss am Freitag hingegen als Reaktion auf die Kritik Öl ins Feuer: Handelskriege seien „gut, und einfach zu gewinnen“, schrieb er bei Twitter. Er plane zudem künftig „Gegenzölle“ auf jedes Produkt, das die USA exportieren und auf das ein Handelspartner Zoll erhebe. mad/afp/dpa

Artikel 3 von 5