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Kuka und Midea verflechten sich

von Redaktion

Augsburg – Es ist eine gemischte Bilanz, die Till Reuter als Chef des Roboterbauers Kuka für 2017 zieht. Seit die industrielle Perle aus Augsburg 2016 unter politischen Irritationen von der chinesischen Midea übernommen worden ist, wird ihre Entwicklung argwöhnisch beäugt. Starker Ausweitung des Geschäfts stehen 2017 Margenrückgang, Stellenabbau am Sitz Augsburg und zunehmend enge Verflechtung mit dem Mehrheitseigner aus China gegenüber.

Letzteres wird durch die Bildung dreier Gemeinschafts-unternehmen forciert. Bei einem davon im Bereich Logistik übernimmt Midea die operative Führung. „Das ist eine Ausnahme“, stellt Reuter klar. Er will damit Befürchtungen zerstreuen, Midea wolle sich deutsches Know-how unter den Nagel reißen. Die von Midea künftig in China kontrollierte Logistik-Kooperation umfasst derzeit gerade 20 Millionen Euro Umsatz, also einen sehr geringen Teil der Kuka-Geschäfte.

Die beiden anderen, strategisch wie finanziell wichtigeren Gemeinschaftsfirmen bei Industrierobotik und Krankenhausrobotern führe Kuka, betont Reuter. Das ist Teil einer vor allem auf China zugeschnittenen Wachstumsstrategie der Augsburger, die sie im Heimatland von Midea bis 2024 möglichst zum dortigen Robotermarktführer machen soll. Dazu investiert Kuka dort 400 Millionen. Heute rangieren die Augsburger am weltgrößten Einzelmarkt für Roboter auf Rang drei oder vier.

Weniger Aufbruchstimmung herrscht am Augsburger Firmensitz. Das dort angesiedelte Anlagengeschäft wird nach dem Auftauchen mehrerer Verlustprojekte nun saniert. Vor allem um Kosten zu senken, werden in Augsburg 250 Jobs gekappt und Arbeiten nach Osteuropa verlagert. Reuter hofft, dass einige der Betroffenen in besser laufenden Geschäftsteilen in Augsburg untergebracht werden können. Insgesamt wurden 2017 in Deutschland noch rund 400 auf 5140 Stellen geschaffen, noch mehr jenseits deutscher Grenzen. Insgesamt hat Kuka weltweit über 1000 auf nun gut 14 000 Stellen aufgebaut.

Vor allem die Probleme im Anlagenbau haben 2017 dazu geführt, dass die operative Umsatzmarge vor Steuern und Zinsen von 4,7 auf 4,3 Prozent gesunken statt wie geplant auf 5,5 Prozent gestiegen ist. Dieses Margenziel gilt nun für 2018. Überplanmäßig gestiegen ist dagegen der Umsatz. Der sollte eigentlich nur moderat von 3,0 auf 3,1 Milliarden Euro wachsen. Ende 2017 waren es aber dann 3,5 Milliarden Euro und damit fast ein Fünftel mehr. Weil Kuka nach den Erfahrungen des Vorjahrs nun vorsichtiger agiert, sind für 2018 nur gut stagnierende Umsätze von leicht über 3,5 Milliarden Euro geplant.

Basis all dessen seien Innovationen aus Augsburg, betonte Reuter. In China helfe zudem Midea, den Markt zu erobern. Das führt Kuka von seiner Domäne als Zulieferer von Robotern für die Autoindustrie verstärkt in neue Bereiche. Bis 2020 soll all das in 7,5 Prozent operativer Rendite und 4,5 Milliarden Euro Umsatz münden. t. magenheim-hörmann

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