Versicherungen

C&A-Pensionskasse wird an chinesische Fosun-Gruppe verkauft

von Redaktion

Bad Homburg – Die betriebliche Altersversorgung der C&A-Beschäftigten soll künftig vom Abwickler Frankfurter Leben verwaltet werden. Das Unternehmen kauft die Prudentia Pensionskasse mit rund 50 000 Verträgen von der Schweizer Familienholding Cofra, wie die Frankfurter Leben am Dienstag in Bad Homburg mitteilte. Zur Cofra-Gruppe gehört auch die Modekette C&A.

-Müssen C&A-Mitarbeiter jetzt um ihre Altersversorgung bangen?

„Sämtliche Versicherungsverträge werden mit unveränderten Garantien, Konditionen und Bedingungen fortgeführt“, verspricht der künftige Eigentümer, die Frankfurter Leben. Die Gruppe sei auf die Verwaltung von Versicherungsbeständen spezialisiert und für Kunden somit ein erfahrener Partner, teilte das Unternehmen mit. Noch hat die zuständige Aufsichtsbehörde Bafin den geplanten Verkauf nicht genehmigt. Und die Aufseher prüfen sehr genau, ob der neue Eigentümer der Verträge die Verpflichtungen überhaupt erfüllen kann, ansonsten wird der Verkauf nicht genehmigt.

-Wie sind Beschäftigte abgesichert, die jetzt neu bei C&A anfangen?

„Vorerst bleibt alles bei den bisherigen Regelungen“, erklärte ein C&A-Sprecher. Das Unternehmen wolle zunächst die Prüfung der Bafin abwarten. „Nach einer Übergangsfrist werden wir uns in Abstimmung mit unseren Betriebsräten einen neuen Versicherer für die betriebliche Altersversorgung der dann neuen Mitarbeiter suchen“, so der Sprecher.

-Warum werden Altverträge überhaupt verkauft?

Lebensversicherern und Pensionskassen fällt es wegen der Niedrigzinsen zunehmend schwer, an den Kapitalmärkten die hohen Garantieversprechen der Vergangenheit von bis zu vier Prozent zu erwirtschaften. Manche wollen die teuren Altpolicen loswerden. Die Erwerber müssen die bestehenden Verträge bis zum Ablauf weiterführen. Generell geht die Bafin davon aus, dass bei solchen Verkäufen das Risiko für Kunden nicht steigt. Diese Einschätzung gilt aber nur für den Zeitpunkt des Verkaufs.

-Wer steckt hinter der Frankfurter Leben?

Mehrheitlich gehört das Unternehmen dem chinesischen Mischkonzern Fosun aus Shanghai, dem beispielsweise auch das Bankhaus Hauck & Aufhäuser gehört. Die Frankfurter Leben selbst hat ihren Sitz im hessischen Bad Homburg und ist mit ihren 200 Mitarbeitern darauf spezialisiert, Lebensversicherungsbestände von traditionellen Versicherern zu kaufen und diese zu verwalten. In der Branche ist vom Betrieb sogenannter Run-off-Plattformen die Rede. Dahinter steckt ein simples Geschäftsmodell: Run-off-Betreiber sind davon überzeugt, die Altbestände auf ihren modernen IT-Plattformen kostengünstiger verwalten zu können als traditionelle Versicherer. Ein Neugeschäft gibt es nicht und damit auch keine teure Akquise von Neukunden. Die Frankfurter Leben hat bereits die Altpolicen anderer Anbieter übernommen, darunter die des Versicherers Arag. Einschließlich der neuen C&A-Verträge steigt der Bestand an Altverträgen den Angaben zufolge auf 700 000. Neben der Frankfurter Leben versucht beispielsweise auch die Plattform Viridium eines britischen Investors an Altverträgen zu verdienen.

-Wie bewerten Verbraucherschützer den Trend der Branche?

Aufregung gab es im Oktober, als die Munich-Re-Tochter Ergo ankündigte, sechs Millionen Lebensversicherungsverträge verkaufen zu wollen. Inzwischen hat Ergo wieder Abstand von den Überlegungen genommen. Beim italienische Versicherer Generali sind entsprechende Pläne noch nicht vom Tisch. Verbraucherschützer kritisieren, dass Versicherte bei solchen Verkäufen die Entwicklung künftiger Überschussbeteiligungen nicht abschätzen können. „Sollten die Abwickler tatsächlich durch weniger Personal und mehr IT Kostenvorteile erzielen, so müssten sie ihre Versicherten eigentlich an den daraus resultierenden Überschüssen beteiligen“, so die Verbraucherzentrale Hamburg. Die Verbraucherschützer befürchten aber, dass die Investoren das Geld lieber in die eigene Tasche stecken. Momentan lässt sich aber nicht abschätzen, ob sich die Befürchtungen einmal bewahrheiten werden. sh/dpa

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