Containerleasing

P&R-Pleite: Schneeballähnliches System

von Redaktion

von Thomas Magenheim-Hörmann

Grünwald – Wenn Licht in dunkle Ecken von Anlegerpleiten fällt, tritt dabei oft Unerfreuliches zutage. Auch im Fall von P&R aus Grünwald (Landkreis München) als Marktführer bei der Anlage von Schiffscontainern zeichnet sich das ab – P&R hatte vor vier Wochen Insolvenzantrag gestellt. Gut 50 000 Anleger zittern seitdem um etwa 3,1 Milliarden Euro. Noch sind von den vorläufigen Insolvenzverwaltern Michael Jaffe und Philip Heinke längst nicht alle Ecken ausgeleuchtet.

Aber klar ist mittlerweile, dass vor allem 2016 und 2017 von P&R Container verkauft wurden, um zugesagte Zahlungen an Anleger finanzieren zu können, wie Jaffe und Heinke sich in einem Zwischenfazit ausdrücken. Um die Sprengkraft dessen zu verstehen, muss man wissen, wie das P&R-Modell im Grundsatz funktioniert hat – oder hätte funktionieren sollen.

Anleger hatten keine Fondsanteile erworben, sondern direkt einzelne Schiffscontainer. Die mietet P&R zurück, um sie ihrerseits an Reeder weiterzureichen. Dabei wurden Anlegern hohe Renditen versprochen. Zuletzt hatten die Mieteinnahmen aus der geschätzt 1,25 Millionen Einheiten umfassenden Containerflotte nicht mehr ausgereicht, um die Verpflichtungen gegenüber den Anlegern zu decken, wie Jaffe und Heinke festgestellt haben. Zumindest 2016 und 2017 habe P&R jedenfalls Container verkaufen müssen, um Rückzahlungen an Anleger zu gewährleisten.

Anlegerexperten sehen darin zumindest eine große Nähe zu illegalen Schneeballsystemen. Stefan Loipfinger spricht juristisch vorsichtig von einer „schneeballähnlichen“ Praxis. P&R war dem Fachjournalisten erstmals 2004 negativ aufgefallen. Seit 2016 warnte Loipfinger konkret vor dem Unternehmen, weshalb ihn die jüngste Pleite auch nicht überrascht hat. „Jahrelange Mietunterdeckung und Mieten, die aus Verkäufen bezahlt wurden, sprechen nicht für ein nachhaltiges Geschäftsmodell“, sagt Loipfinger.

Er sieht klare Indizien, dass gemauschelt wurde, und fragt sich, wie viele Container überhaupt noch vorhanden sind, um durch ihre Verwertung den Schaden für Anleger zu begrenzen.

Die Frage nach der Anzahl der Container stellen sich auch die Insolvenzverwalter Jaffe und Heinke. Sie müsste eigentlich leicht zu ermitteln sein, ist es aber nicht. Das liegt zum einen daran, dass die operativen Geschäfte der Anlegerfirma aus dem Münchner Nobelvorort Grünwald aus der Stadt Zug in der Schweiz gesteuert wurden und die Datensysteme aus Zug und Grünwald angeblich vollständig voneinander getrennt sind. Wichtige Daten seien in der benötigten Form jedenfalls nicht vorhanden, bedauern die vorläufigen Insolvenzverwalter. Sie müssten nun in aufwendiger Kleinstarbeit ermittelt werden, wozu wegen des riesigen Volumens Hochleistungsrechner nötig seien.

Auch Peter Mattil runzelt bei solchen Ermittlungsständen die Stirn. Mattil ist Fachanwalt für Kapitalmarktrecht und sitzt nun im vorläufigen Gläubigerausschuss von P&R. Wegen damit verbundener Vertraulichkeitspflichten kann er nicht alles sagen, was er weiß. Die Zahl der noch vorhandenen Container hält auch Mattil für entscheidend bei der Frage nach der möglichen strafrechtlichen Verantwortung der P&R-Manager und deren Wirtschaftsprüfer. Letztere müssen im Detail gewusst haben, was vor sich ging – und das wäre im schlimmsten Fall Anlagebetrug. In mindestens einem Jahr habe man bislang eine Mietunterdeckung von 50 Prozent ermittelt. Also nur die Hälfte des Betrages, was Anlegern versprochen wurde, hat P&R durch Container-Geschäfte mit Reedern refinanzieren können. „Ausgaben waren nicht durch Einnahmen gedeckt, man hätte schon lange die Notbremse ziehen müssen“, meint Mattil.

Die zweite entscheidende Frage ist für ihn, wie lange das so ging. Auch das sei noch unklar. Der Sitz der P&R-Firma im schweizerischen Zug habe jedenfalls nicht nur steuerliche Vorteile gehabt. Dort sei die Aufsicht auch laxer als in Deutschland.

Jaffe und Heinke wollen sich zur Frage nach einem Schneeballsystem nicht äußern, bis die Bestandsaufnahme abgeschlossen ist. Das könnte Ende Mai so weit sein. Auf welchem Schaden Anleger am Ende sitzen bleiben, ist damit völlig ungewiss.

Mattil hat einen vergleichbaren Fall mit einer Anlegerfirma begleitet, die ebenfalls in Schiffscontainer investiert hat. Dort ist eine Quote von 50 Prozent für die Anleger herausgesprungen, aber auch nur, weil alles optimal gelaufen sei. Bei P&R handle es sich um eine weit größere Dimension – und optimal läuft es dort bislang nicht.

Artikel 5 von 7