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Siemens rückt von Werksschließungen ab

von Redaktion

von thomas magenheim-hörmann

München – Fast ein halbes Jahr lang standen die Zeichen bei Siemens wegen Radikalplänen zur Sanierung der kriselnden Kraftwerkssparte auf Sturm. Nun erklärte Personalchefin Janina Kugel die interne Konfliktphase für beendet. „Wir haben Eckpunkte festgelegt, die uns den Weg für die erforderlichen Einsparungen ebnen“, sagte die Arbeitsdirektorin. Die Detailverhandlungen könnten jetzt zwar erst anlaufen. Aber weil Kugel das Eis nun für gebrochen hält, sei ein erfolgreicher Abschluss der Gespräche binnen weniger Wochen, auf alle Fälle bis Ende des Siemens-Geschäftsjahrs zum 30. September möglich.

Umstritten bleibt aber, inwieweit Schließungen einzelner deutscher Standorte wirklich schon komplett vom Tisch sind. Für die IG Metall ist die Lage eindeutig. „Die ursprünglich vorgesehenen Standortschließungen finden nicht statt“, erklärt die Gewerkschaft. Unstrittig ist das, insofern es das ostdeutsche Werk in Görlitz mit seinen 720 Arbeitsplätzen betrifft, auf das sich ein Großteil auch politischen Protests konzentriert hatte. Der Standort werde zum globalen Kompetenzzentrum für das Geschäft mit Industriedampfturbinen aufgewertet, kündigte Kugel an. Das bedeute zwar immer noch Stellenabbau in vorerst unklarer Höhe. Aber der Standort bleibe erhalten. Eine Chance gibt Siemens nun auch der Leipziger Fabrik mit ihren 200 Stellen. Die Fabrik soll jetzt alternativ verkauft werden, was gut angelaufen sei, erklärte Kugel.

Von einer Schließung spricht sie indessen weiter im Fall des Standorts Offenbach. Hier widerspricht die IG Metall. Zwar werde der alte Standort dichtgemacht. Die betroffenen Arbeitsplätze würden aber in räumlicher Nähe auf andere Siemens-Standorte verteilt. Eine völlige Entwarnung ist das nicht. „Die Firmenleitung hält an Personalabbau fest“, räumt Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn ein. Streichen wolle das Management insbesondere in Berlin, Mülheim, Duisburg und auch Erfurt, nachdem ein Verkauf für den Standort in Thüringen gescheitert ist. Auch in Berlin, einem der zentralen Brandherde der Sanierungspläne, ist die Lage aber entschärft. Statt Schließung des dortigen Dynamowerks gebe eine alternative Planung, sagte Kugel.

Unnachgiebig bleibt Siemens bei finanziellen Einsparzielen. Es gehe um eine größere dreistellige Millionensumme, sagte die Personalchefin zur Dimension. Wie dieses Ziel erreicht werde, sei nun Gegenstand der konkreten Detailverhandlungen. „Wir haben für jeden Standort tragfähige Alternativen vorgeschlagen“, sagt Steinborn und gibt damit eine neue Richtung weg von betriebsbedingten Kündigungen vor. Kugel hält die mittlerweile zwar nicht für komplett ausgeschlossen, wenn auch für deutlich unwahrscheinlicher.

Kompromisse könne es zudem bei der Anzahl der bislang geplanten Stellenstreichungen geben. Aus Sicht der IG Metall hat Siemens damit das Bekenntnis zur sogenannten Radolfzeller Vereinbarung bekräftigt. Darin hat sich der Konzern verpflichtet, im Inland auf betriebsbedingte Kündigungen und die Schließung ganzer Standorte zu verzichten. Kugel hält sich hier dagegen weiter eine Hintertür offen. Insgesamt deutet alles auf reduzierte Abbaupläne hin. Ursprünglich wollte Siemens im Kraftwerksgeschäft global 6100 Jobs abbauen und weitere 800 Arbeitsplätze in der zweiten Krisensparte Prozessindustrie und Antriebe. In Deutschland standen insgesamt 3400 Stellen auf der Streichliste. Vor allem Letzteres soll gemäßigter ausfallen, auch wenn das genaue Ausmaß noch offen bleibt, erklärten Management und IG Metall.

Beitrag zum Betriebsfrieden

Schon konkret vereinbart wurde dagegen ein Zukunftspakt für von Strukturwandel betroffene Geschäfte wie aktuell die Kraftwerkssparte mit ihren weltweit 30 000 Beschäftigten. In den kommenden vier Jahren will Siemens 100 Millionen Euro in einen Weiterbildungsfonds einzahlen. So sollen Siemensianer intern für Jobs auch außerhalb des Konzerns qualifiziert werden, wenn technologischer Wandel wie im Geschäft mit Kraftwerken und dem dortigen Umbruch hin zu erneuerbaren Energien traditionelle Berufe überflüssig macht. Der Weiterbildungsfonds kommt zusätzlich zu der halben Milliarde Euro dazu, die Siemens bereits jetzt jährlich für interne Fortbildung zahlt. Der Betriebsfrieden bei Siemens scheint wiederhergestellt.

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