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Milliardengewinn trotz Kraftwerkskrise

von Redaktion

von manuela dollinger

München – Das Timing war diesmal bedeutend besser als im vergangenen Herbst. Siemens verkündete im November in München Milliardengewinne, während die Beschäftigten in der Kraftwerkssparte um ihre Jobs bangten. Der Elektrokonzern musste sich einiges an Kritik gefallen lassen. Am Tag bevor die Münchner nun einen erneuten Milliardengewinn bekannt gaben, gab es wieder Neuigkeiten aus der Kraftwerkssparte. Und diesmal waren sie positiv – zumindest in Anbetracht der bisherigen Planungen. Einige der von der Schließung bedrohten Standorte bleiben erhalten, die Zahl der Stellen, die abgebaut werden sollen, könnte nun doch geringer ausfallen (wir berichteten).

Und das, obwohl die Kraftwerkssparte in den vergangenen Monaten noch tiefer in die Krise gerutscht ist. Zwischen Januar und März schrumpften aufgrund von Überkapazitäten und Preisverfall auf dem Markt Umsatz (minus 28 Prozent) und Auftragseingang (minus 16 Prozent) deutlich. Das Ergebnis brach um fast drei Viertel auf 114 Millionen Euro ein. Die Marge sank auf 3,9 Prozent – im zweiten Quartal 2017 lag sie noch bei 10,8 Prozent.

Ein neuer Tiefpunkt für die Sparte, die einmal einer der Hauptgewinnbringer im Konzern war. Das Kraftwerksgeschäft drückt entsprechend auf das Ergebnis im industriellen Kerngeschäft von Siemens, das im Jahresvergleich um acht Prozent auf 2,3 Milliarden Euro schrumpfte. „Diese Zahlen untermauern, dass wir unsere Kapazitäten anpassen müssen“, erklärte Lisa Davis, die im Siemens-Vorstand das Energiegeschäft verantwortet. Im Vergleich zu den Wettbewerbern habe sich die Sparte aber gut geschlagen. Positiv sei zudem der Ausblick für das Servicegeschäft, das in den kommenden Jahren anziehen soll. In der Sparte werden 55 Prozent des Umsatzes aktuell mit Wartungsarbeiten und Co. gemacht.

„Die Division Power and Gas, die für 15 Prozent unseres Umsatzes steht, agiert weiterhin in einem enorm wettbewerbsintensiven Markt“, ergänzte Finanzvorstand Ralf Thomas. Und er machte deutlich, dass sich auch mit der Einigung vom Vortag an den Sparzielen für die Sparte – ein dreistelliger Millionenbetrag ist angesetzt – nichts geändert hat. „Wir haben uns auf einen Weg geeinigt, das Ziel bleibt das gleiche“, so Thomas. Wie seine Vorstandskollegin Janina Kugel, die die Verhandlungen mit den Arbeitnehmern führt, geht er davon aus, dass die Gespräche noch in diesem Jahr angeschlossen werden können. „Wir wollen hier 2018 einen Schlusspunkt setzen.“

Trotz der Talfahrt in der Kraftwerkssparte stieg der Gewinn im zweiten Quartal insgesamt um 39 Prozent auf gut 2 Milliarden Euro. Hintergrund war zum einen ein Einmaleffekt in Form eines Buchgewinns: Siemens hat seinen Anteil am IT-Unternehmen Atos in den konzerneigenen Pensionsfonds eingebracht. 900 Millionen Euro wurden dafür ausgewiesen.

Zum anderen liefen die Geschäfte in einigen Sparten sehr gut. Insgesamt steigerten sechs der acht Geschäftsbereiche ihren Umsatz zum Teil beträchtlich. „Auch die Renditeziele wurden erreicht oder sogar übertroffen“, so Thomas. Gewinnbringer waren vor allem das Digitalisierungsgeschäft (knapp 21 Prozent Marge) und die Zugsparte (gut 11 Prozent Marge), die vor der Fusion mit dem französischen Wettbewerber Alstom steht. Beide Bereiche haben im zweiten Quartal die Obergrenzen ihrer Margenbänder gesprengt.

Insgesamt lag der Umsatz im zweiten Quartal mit 20,1 Milliarden Euro etwa auf Vorjahresniveau. Auch wenn der Auftragseingang leicht rückläufig war, lag der Auftragsbestand im zweiten Quartal mit 129 Milliarden Euro auf Rekordniveau.

Ein Grund dafür, dass Siemens – trotz der Probleme in der Kraftwerkssparte – die Prognose für das Geschäftsjahr (30. September) angehoben hat. Unter dem Strich werden nun 6,5 bis 6,8 Milliarden Euro Gewinn angepeilt – statt wie bisher 6,1 bis 6,5 Milliarden Euro. „Dabei sind Aufwendungen für Restrukturierungen nicht eingerechnet“, schränkte Finanzvorstand Thomas ein. An der Börse sorgte die Ankündigung dennoch für gute Stimmung: Die Siemens-Aktien kletterten zeitweise um knapp fünf Prozent nach oben.

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