Toulouse – Für Flugzeugbauer dürfte die Wiedereinführung von US-Sanktionen gegen den Iran weitreichende Folgen haben. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sollen Flugzeugbauern wie Airbus und Boeing die Lizenzen zum Verkauf von Passagiermaschinen an Iran entzogen werden. Hintergrund ist, dass erhebliche Technikanteile aus US-Produktion in den Maschinen eingebaut sind. Damit würde die Bestellung von 200 Fliegern von IranAir mit einem Listenpreis von insgesamt 38,3 Milliarden Dollar auf der Kippe stehen, schreibt Reuters. „Die Hälfte dieser Aufträge fällt auf Airbus, 80 auf Boeing und 20 auf den französisch-italienischen Hersteller von Turboprop-Maschinen ATR.“
Der europäische Hersteller Airbus hatte Ende 2016 mit Iran Air einen Großauftrag über 98 Verkehrsflugzeuge abgeschlossen. Davon wurde eins bisher direkt ausgeliefert, wie der Sprecher sagte. Im Orderbuch des Unternehmens verblieben also 97 Airbus-Maschinen. Zwei Airbusse seien zudem über Leasingfirmen in den Iran gelangt.
Airbus hatte sich zunächst zurückhaltend über den Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran geäußert. „Wir untersuchen die Ankündigung sorgfältig und werden die nächsten Schritte prüfen – in Übereinstimmung mit unseren internen Grundsätzen und in vollständiger Einhaltung von Sanktionen und Regeln der Ausfuhrkontrolle“, erklärte der Sprecher. Dies könne einige Zeit in Anspruch nehmen.
Auch Boeing muss Einbußen hinnehmen
Auch dem US-Hersteller Boeing entgehen durch den Rückzug der USA aus dem Atomabkommen milliardenschwere Aufträge – doch das ist laut Konzernchef Dennis Muilenburg gut zu verkraften. Für die vereinbarten Verkäufe an iranische Airlines seien ohnehin noch keine Produktionsplätze eingeplant gewesen, sagte Muilenburg in Washington. Man werde bei Iran-Geschäften der „Führung der US-Regierung“ folgen, sagte er. dpa/mm