Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, sieht in der Ernennung von Christian Sewing zum Vorstandschef einen „epochalen Wandel“. „Nach 16 Jahren ist wieder ein Deutscher Chef der Deutschen Bank“, sagte Folkerts-Landau dem „Handelsblatt“. Zugleich machte der Ökonom frühere Topmanager für die derzeitigen Schwierigkeiten des größten deutschen Geldhauses verantwortlich. „Die harte Wahrheit ist, dass fundamentale, strategische Entscheidungen des Managements und des Aufsichtsrates in der Zeit von Mitte der 90er-Jahre bis 2012 die Bank in diese Lage gebracht haben“, sagte der Ökonom. Die damaligen Vorstandschefs hätten eine ungezügelte und unkontrollierte Expansion im Kapitalmarktgeschäft eingeleitet.„Die Führung der Bank überließ seit Mitte der 90er-Jahre die Kontrolle des Kapitalmarktgeschäfts den Händlern“, sagte der Chefökonom. Er kritisierte insbesondere Josef Ackermann, der von 2002 bis 2012 an der Spitze stand und der das Wachstum in der Investmentbank nochmals forcierte. „Ackermann war dabei auf das magische Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern fixiert. Dieses war damals aber nur unter Inkaufnahme großer finanzieller und ethischer Risiken zu erreichen.“ Im Rückblick sei klar, „dass die Strategie des ,Wachstums über alles‘ scheitern musste“.