Siemens-Chef bezieht position

Gegen Populismus

von Redaktion

München – Siemens-Chef Joe Kaeser ist ein Mann klarer Worte, nicht nur wenn es um das Geschäft geht. Jetzt hat er klar Position gegen die AfD bezogen. „Wir dürfen das Feld der Öffentlichkeit nicht populistischen und nationalistischen Kreisen überlassen“, sagte Kaeser am Dienstagabend vor Journalisten in München. In seiner Position als Vorstandschef von Siemens sehe er sich in der Verantwortung – und das, obwohl deshalb bereits seine Familie bedroht wurde.

„Lieber Kopftuch-Mädel als Bund Deutscher Mädel. Frau Weidel schadet mit ihrem Nationalismus dem Ansehen unseres Landes in der Welt. Da, wo die Hauptquelle des deutschen Wohlstands liegt“, schrieb Kaeser vor einigen Wochen auf Twitter als Reaktion auf einen Redebeitrag der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel im Bundestag. Er habe danach viel Zuspruch bekommen. Aber auch die Abgründe der sozialen Medien zu spüren bekommen. „Es wurde zum Teil richtig derb, aggressiv und gewalttätig“, so Kaeser. Dabei sei nicht nur er selbst bedroht worden, sondern auch seine Kinder und seine Mutter. Seine Aussage auf Twitter bereue er dennoch nicht. Es dürfe keine „Spirale des Schweigens“ entstehen, wie es in Deutschland bereits einmal der Fall war, so Kaeser.

Dafür, dass andere deutsche Konzernlenker sich in politischen Fragen nicht in ähnlich deutlicher Weise äußern, zeigte Kaeser allerdings Verständnis. Er habe in einigen Sachfragen mit anderen Vorstandschefs telefoniert, um zu fragen, ob man gemeinsam etwas unternehmen wolle, berichtete der Siemens-Chef. Manche hätten Verständnis für das Anliegen gezeigt, aber befürchtet, dass AfD-Wähler dadurch als Kunden wegfallen. manuela dollinger

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