Biotechnologie in bayern

Neun Neugründungen und ein Beschäftigungs-Rekord

von Redaktion

München – Neun Neugründungen, die Zulassung für ein Medikament und ein Beschäftigungs-Rekord: Die Bilanz der Biotechnologie-Branche in Bayern kann sich durchaus sehen lassen. Das zeigt eine Auswertung des Bayerischen Biotechnologie Clusters (BioM), die gestern in München vorgestellt wurde.

Mit der neuen Rekordmarke von 14 500 Beschäftigten (plus acht Prozent) in 234 Biotech-Firmen stelle Bayern aktuell knapp ein Drittel der 47 000 Mitarbeiter in der medizinischen Biotechnologie in ganz Deutschland, teilte BioM mit. Zentrum der bayerischen Biotechnologie ist dabei der Großraum München, in dem rund 188 Firmen sitzen. Einige wurden erst im vergangenen Jahr gegründet. Von insgesamt neun bayerischen Neugründungen haben fünf ihren Sitz in München – zum Beispiel die essentim GmbH mit ihrer Idee vom Labor der Zukunft.

Das Unternehmen bietet ein kabelloses Sensorsystem an, um biologische Prozesse direkt am Kulturgefäß zu überwachen, ohne die gewohnten Arbeitsabläufe zu beeinflussen. Damit sei eine lückenlose Erfassung klimatischer und biochemischer Parameter in Echtzeit möglich, um Fehler unmittelbar zu erkennen. Wie essentim setzen die meisten Neulinge auf digitale Lösungen, wie auch inveox. Das Gründerteam aus München hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeit mit Gewebeproben zu vereinfachen. So soll eine Automatisierungsplattform in Laboren helfen, eingehende Proben maschinell zu verarbeiten und Informationen zu vernetzen.

Den Aufwärtstrend in der Branche – nicht nur in Bayern, sondern bundesweit – belegen auch die Neuzulassungen, heißt es weiter. 2017 wurden in der Europäischen Union 23 neue Biopharmazeutika zugelassen – eines der Medikamente kommt aus Bayern, aus Planegg im Landkreis München, um genau zu sein: Der von Morphosys entwickelte Antikörper Guselkumab, ein Wirkstoff zur Behandlung von Schuppenflechte, erhielt die Zulassung. Und die Pipeline der bayerischen Biotechs ist weiterhin voll: 125 vielversprechende klinische Studien laufen aktuell, heißt es bei BioM. Der Schwerpunkt liegt auf der Krebstherapie. Das lässt hoffen, dass bald weitere Zulassungen folgen.

„Bayern hat mit der Unterstützung der Biotechnologiebranche über viele Jahre alles richtig gemacht“, betont Horst Domdey, Geschäftsführer von BioM. Man müsse sich vor Augen halten, dass die Biotechnologie in Bayern vor 20 Jahren mit einigen wenigen Firmen gestartet sei. Doch die Medikamentenentwicklung kostet viel Geld – und daran fehlt es. „Wir schaffen nicht die riesige Lücke bei den Wachstumsfinanzierungen der Unternehmen im Medikamentensektor“, sagt Domdey. Es fehle an Anreizen für private Investoren. „Hier muss die Politik einen attraktiven Rahmen setzen.“ manuela dollinger

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