Peking – Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal mit 6,7 Prozent ein bisschen langsamer gewachsen. Für die erste Jahreshälfte ergibt sich damit ein Wachstum von insgesamt 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistikamt am Montag in Peking berichtete. Damit erscheint die zweitgrößte Volkswirtschaft für eine drohende Eskalation im Handelskrieg mit den USA gut gerüstet – doch angesichts der Unsicherheiten bröckelt die Zuversicht.
„Die Wirtschaft ist stabil und zeigt normales Wachstum“, sagte der Wirtschaftsprofessor Hu Xingdou. Der Handelsstreit und die gerade erst verhängten Strafzölle zeigten noch keine Auswirkungen. „Es gibt keine großen Probleme für die Wirtschaft“, sagte der Professor. „Aber wie verlässlich sind diese Zahlen? Das ist unsicher.“ Chinas Statistikamt sei eben nicht unabhängig, sondern gehöre zur Regierung. „Aber das Vertrauen in die Wirtschaft ist beeinträchtigt“, sagte Hu Xingdou. Der Professor kann den Spannungen aber auch etwas Gutes abgewinnen. Denn China könnte seiner Einschätzung nach von der geforderten weiteren Öffnung seines Marktes und von marktwirtschaftlichen Reformen profitieren.
Nach einer Umfrage des Finanzdienstes IHS Markit sind chinesische Unternehmen zwar optimistisch, dass ihre Produktion im nächsten Jahr wachsen wird, doch ist die Stimmung „vergleichsweise gedämpft“. Die Sorgen über den Handelskrieg, steigende Preise für Rohstoffe, höhere Arbeitskosten, härteren Wettbewerb und strengere Umweltvorschriften drückten die Laune, berichtete IHS Markit.
Trotz der Unsicherheiten profitiere die Wirtschaft von der weltweiten Erholung, einem belebten Immobilienmarkt und anderen Wachstumstreibern, stellte das Statistikamt fest. „Die nationale Wirtschaft behält den Schwung einer beständigen und gesunden Entwicklung, während sich die Umstrukturierung vertieft, die Qualität und Effektivität verbessert hat“, erklärte das Statistikamt. Auch trage der Konsum stärker als früher zum Wachstum bei. Der Anteil stieg im zweiten Quartal auf 78,5 Prozent, nachdem er im ersten Quartal bei 77,8 Prozent und im ganzen vergangenen Jahr noch bei 58 Prozent gelegen hatte. Die wirtschaftliche Entwicklung liegt auch weiter über der Vorgabe der Regierung in Peking, die für das ganze Jahr eigentlich nur rund 6,5 Prozent anstrebt. Experten rechnen in der zweiten Jahreshälfte mit einem leicht abgeschwächten Wachstum von nur noch 6,6 Prozent.
Wegen des großen Handelsdefizits der USA zieht Trump gerade mit Strafzöllen gegen die EU, China, aber auch Japan, Kanada oder Mexiko zu Felde. Nach einem ersten Aufschlag mit 25-prozentigen Strafzöllen auf Importe aus China im Wert von 34 Milliarden US-Dollar sollen diesen Monat weitere auf Einfuhren von 16 Milliarden folgen. Bis Ende August droht Trump mit Sonderabgaben von zehn Prozent auf Waren aus China im Wert von 200 Milliarden US-Dollar. Er denkt an Strafzölle auf alle chinesischen Einfuhren von rund 500 Milliarden US-Dollar.
Der Streit mit Trump bringt Europäer und Chinesen einander wieder näher. Auf ihrem 20. EU-China-Gipfel gestern in Peking machten beide Seiten selbst in festgefahrenen Handelsfragen wieder Fortschritte. Erstmals seit drei Jahren gab es Einigkeit über eine gemeinsame Erklärung am Ende des Gipfels, die die „strategische Partnerschaft“ bekräftigte. Die EU ist Chinas größter Handelspartner, während die Europäer nur mit den Amerikanern noch mehr handeln. Täglich werden zwischen der EU und China Waren im Wert von 1,5 Milliarden Euro ausgetauscht.