Berlin – Ikea verschärft in Deutschland sein Rückgaberecht. Ab dem 1. September können Kunden ihre gekauften Produkte weiterhin 365 Tage lang gegen eine Erstattung des vollen Kaufpreises zurückgeben – allerdings nur „sofern diese neu und unbenutzt sind“, wie der Möbelkonzern am Donnerstag mitteilte. Bisher galt die 365-Tage-Frist ohne Rücksicht auf den Zustand des Produkts. Die neue Regelung gilt für alle ab Anfang September verkauften Produkte, für ältere Produkte gilt die alte Regelung weiter.
Neu und unbenutzt heißt laut einer Sprecherin, dass die Kunden die Möbel auch auspacken und aufbauen dürfen. Sie dürften sie allerdings nicht verwenden, und bei Schäden beim Abbau gebe es auch kein Geld zurück. Unverändert bleibe die Regelung für Matratzen: Diese könnten weiterhin ein Jahr lang Probe gelegen werden.
„Durch die Einschränkung des Rückgaberechts auf unbenutzte Produkte wollen wir auch sicherstellen, dass Kunden Möbel und Einrichtungsgegenstände nicht nach kurzem Gebrauch entsorgen, sondern den Wert des Produkts schätzen im Sinne des Ressourceneinsatzes, der dafür nötig war“, erklärte Ikea. Die deutsche Gesellschaft passe sich damit den weltweiten Regeln an. Bislang musste Ikea viele Möbelstücke wegen des schlechten Zustands recyceln oder verbrennen. Solche mit geringen Gebrauchsspuren konnte die Möbelkette noch verbilligt verkaufen.
Die „Welt“ hatte als Erstes berichtet. Ein Grund sei der Missbrauch der alten Regelung, sagte Deutschland-Chef Dennis Balslev der Zeitung: „Wir hören aus den Häusern, dass Jahr für Jahr kurz vor dem Ablauf der Umtauschfrist immer die gleichen Leute auftauchen und ihr Geld zurückverlangen.“ Balslev vermutet: „Offenbar frischen hier Vermieter auf diese Weise ihre Wohnungen auf.“
Ikea will auch die Auslieferung der Möbel beschleunigen und investiert deshalb kräftig in Logistikzentren. In Ballungsräumen sowie den Millionenstädten Köln, Berlin, München und Hamburg soll die Lieferzeit deutlich sinken. „Dort wollen wir in Zukunft innerhalb von drei Stunden liefern“, kündigte Balslev an. „Spätestens aber am nächsten Tag.“ Aktuell sind Bestellungen noch fünf bis sechs Tage unterwegs, jedenfalls bei der Standardvariante. afp