Peking/Berlin – US-Präsident Donald Trump heizt den Handelskonflikt mit der EU und China weiter an. Er signalisierte am Freitag seine Bereitschaft, auf alle Waren aus China Zölle zu erheben. Außerdem warf er der Volksrepublik und der EU Währungsmanipulation vor. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte unterdessen, sie setze auf eine Lösung am Verhandlungstisch. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker werde in der kommenden Woche bei seiner Reise nach Washington Vorschläge machen, wie man in einen „Gesprächsprozess“ kommen könne, sagte Merkel in Berlin. EU-Gegenmaßnahmen seien die „mit Abstand schlechtere Lösung“. Auch Brüssel zeigte sich gesprächsbereit. Es gelte, den Streit unter Einhaltung aller internationalen Regeln zu vermeiden, sagte EU-Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis.
Die US-Regierung hatte jüngst bereits mit der Androhung hoher Zölle auf Autos und weitere Waren für Verunsicherung gesorgt. Trump drohte zuletzt, einen „20-Prozent-Zoll“ auf alle Autoimporte zu erheben. Zuvor war von bis zu 25 Prozent die Rede gewesen. Dies könnte die deutsche Autoindustrie empfindlich treffen.
Nun legte Trump nach. „China, die Europäische Union und andere haben ihre Währungen manipuliert“, schrieb Trump auf Twitter. Außerdem erwähnte er die niedrigen Leitzinsen dort, während in den USA die Zinsen stiegen. Dem Sender CNBC hatte er zuvor gesagt: „Es gefällt mir nicht, dass wir all die Arbeit in die Wirtschaft stecken und dann sehe ich, wie die Zinsen steigen.“ Auch bei Zöllen auf chinesische Einfuhren bekundete er seinen Ärger. „Ich bin bereit, bis 500 zu gehen“, sagte Trump im CNBC-Interview. Damit nahm er Bezug auf die 505,5 Milliarden Dollar (434 Milliarden Euro), auf die sich die Einfuhren aus China in die USA im vergangenen Jahr summierten. „Wir sind eine lange Zeit von China abgezockt worden“, so Trump weiter. „Ich möchte ihnen keine Angst einjagen, ich möchte, dass es ihnen gut geht, ich mag wirklich Präsident Xi, aber das (der Handel) war sehr unfair.“
Merkel betonte, die Lage des Welthandels sei „sehr ernst“. Man stehe an einem Punkt, der dazu führe, dass der Internationale Währungsfonds zuletzt seine Wachstumsprognosen nach unten korrigiert habe.
Mit ihren Drohungen verunsichert die US-Regierung die Weltwirtschaft auch nach einer Anhörung wichtiger Handelspartner in Washington. Bei dem Termin im Handelsministerium äußerten unter anderem Vertreter der Autobranche und der EU große Bedenken am Kurs von Trump. Aus China und Deutschland kamen Forderungen, im Fall einer weiteren Eskalation dagegenzuhalten.
Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, betonte die Bedeutung deutscher Firmen für die amerikanische Wirtschaft. „Unsere Mitglieder – Hersteller sowie Zulieferer – betreiben mehr als 300 Werke in den USA“, sagte er bei der Anhörung. Die deutschen Autokonzerne produzierten über 800 000 Fahrzeuge „Made in the USA“ pro Jahr und hätten mehr als 100 000 Jobs im Land geschaffen – allein in der Produktion.
Bei dem Krisentreffen kommende Woche reisen EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und Kommissionschef Jean-Claude Juncker zu Trump. Laut EU-Kreisen wollen sie ihm unter anderem Verhandlungen über ein Abkommen zur Liberalisierung des grenzüberschreitenden Autohandels vorschlagen. Bisher erhebt die EU für den Import von Personenwagen noch höhere Zölle als die USA.
Höhere Autozölle wären verheerend und würden eine neue düstere Wirklichkeit schaffen, sagte Malmström bei einer Veranstaltung der Stiftung German Marshall Fund. Mit den Mitgliedstaaten werde schon an einer Liste mit US-Produkten gearbeitet, auf die Vergeltungszölle verhängt werden könnten.
Die in China ansässigen amerikanischen Unternehmen sehen angesichts der Drohungen von Trump an China große Gefahren. „Es gibt keine Gewinner in einem Handelskrieg“, sagte der Präsident der Amerikanischen Handelskammer, William Zarit, in Peking. US-Geschäftsleute in China seien sehr besorgt. Die psychologischen Folgen des Handelsstreits seien schon heute spürbar. afp/dpa