„Das ist doch ein schöner Erfolg“

von Redaktion

Nach Einschätzung des Wirtschafsweisen Peter Bofinger ist die Eskalationsspirale eines drohenden Handelskrieges mit dem jüngsten Treffen zwischen EU-Kommissions-chef Juncker und US-Präsident Trump erfolgreich gestoppt worden. „Daran sollte keiner herumnörgeln“, sagte das Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im Gespräch.

-Herr Bofinger, Trump zeigt sich plötzlich versöhnlich. Ist jetzt alles wieder gut zwischen der EU und den USA?

Es ist doch sehr erfreulich, dass Donald Trump, der die EU bis eben noch als Feind betrachtete, jetzt die Freundschaft und Zusammenarbeit mit Europa vorantreiben will. Die Tatsache, dass Trump und Juncker vereinbart haben, keine neuen Zölle loszutreten, sondern im Gegenteil bestehende abzubauen, ist doch ein schöner Erfolg.

-Sie trauen Trump?

Ich bin kein Psychologe. Aber fest steht doch, dass die Eskalation erst einmal gestoppt ist und es möglicherweise sogar in die umgekehrte Richtung geht. Daran sollte keiner herumnörgeln.

-Wo sehen Sie ganz konkret einen substanziellen Fortschritt?

Trump hat von seiner Drohung abgelassen, Strafzölle auf europäische Autoimporte zu erheben. Und die EU kann deshalb ihre Pläne in der Schublade lassen, wie sie darauf mit weiteren Gegenzöllen geantwortet hätte. Das ist doch eine ganze Menge.

-Demnach wäre der Automobilstandort Deutschland aus Ihrer Sicht der eigentliche Gewinner des jüngsten Treffens im Weißen Haus?

In gewisser Weise schon. Wobei die Welt auch bei US-Strafzöllen gegen deutsche Autos nicht untergegangen wäre. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass sich reiche Amerikaner dann keinen Porsche, BMW oder Mercedes mehr gekauft hätten. Diese Kundschaft ist ohnehin weniger preissensibel.

-Im Gegenzug will die EU die Einfuhr von Sojabohnen aus den USA deutlich steigern. Ist damit nicht China düpiert, das Strafzölle auf amerikanische Sojabohnen erhebt?

In der Vereinbarung zwischen Trump und Juncker steht auch, dass man gegen unfaire Handelspraktiken anderer Länder vorgehen will. Und was den Protektionismus angeht, da schottet China seinen Markt noch sehr viel stärker ab als die USA. Insofern ist auch diese Vereinbarung gut und richtig.

-Trump würde nach eigenem Bekunden gleich alle Zölle zwischen den USA und Europa abschaffen. Kann sich die EU darauf einlassen?

Ja, sicher. Das hat auch schon der Sachverständigenrat vorgeschlagen. Das Problem ist allerdings, dass auch europäische Länder wie Frankreich Angst vor wirtschaftlichen Problemen haben, wenn sie einer Abschaffung aller Zölle zustimmen. Doch anstatt Zölle mit Gegenzöllen zu beantworten, wäre genau das der Königsweg. So war es übrigens auch schon in dem gescheiterten TTIP-Handelsabkommen vorgesehen.

-Aber es war doch Trump, der von diesem Abkommen nichts wissen wollte.

Ja, Chaos ist bei dem Mann Prinzip. Aber man muss sehen, dass Zölle auch für die USA von Nachteil sind. Denn nicht nur ausländische Anbieter werden damit belastet. Zölle werden auch überwälzt auf die Preise für heimische Konsumenten und heimische Unternehmen. Mit seiner Zollpolitik hat sich Trump also auch in den USA nicht viele Freunde gemacht. Die Karte, alle Zölle wechselseitig abzuschaffen, hätte man allerdings auch in Brüssel schon offensiver spielen können. Vielleicht wäre uns dann manche Eskalation erspart geblieben.

Interview: Stefan Vetter

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