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Allianz trennt sich von Lebenspolicen

von Redaktion

von Thomas Magenheim-Hörmann

München – Mit traditionellen Lebenspolicen ist weltweit in Zeiten niedriger Zinsen nicht mehr viel Geld zu verdienen. Deshalb geht nun auch der Branchenriese Allianz daran, entsprechende Altbestände zu verkaufen. Einzige, aber für heimische Lebensversicherte bedeutende Ausnahme, ist Deutschland, betonte Allianz-Finanzchef Giulio Terzariol zur Vorlage der Zwischenbilanz. Jenseits deutscher Grenzen seien weitere Verkäufe aber möglich.

Bereits vor zwei Jahren hatte die Allianz in Südkorea einen solchen Bestand abgestoßen. Nun wurde auch in Taiwan ein Lebensversicherungsportfolio verkauft – und das unter einigen Schmerzen. Die Bilanz für das zweite Quartal 2018 wurde dadurch mit 220 Millionen Euro belastet, weil bei der Abgabe ein Buchverlust angefallen ist. Deutsche Lebensversicherungsbestände wollen die Münchner nicht verkaufen, weil das Geschäft hierzulande hochprofitabel ist – und wegen emotionaler Verbundenheit zum Heimatmarkt, sagte Terzariol. Auf die Vermutung, dass die Zurückhaltung politische Gründe haben könnte, ging der Manager nicht ein.

Andere Versicherer stoßen auch in Deutschland traditionelle Lebensversicherungsbestände im großen Stil ab. Jüngstes Beispiel ist die Generali Deutschland. Altverträge beinhalten teils noch hohe Garantieversprechen, deren Refinanzierung an den Kapitalmärkten immer schwerer fällt. Ein Verkauf von Altverträgen belastet aber andererseits das Image und damit das Neugeschäft. Auch die Politik hat in Deutschland wiederholt gegen einen Verkauf von Lebenspolicen diverser Gesellschaften Front gemacht. Das ist wohl der wichtigste Grund, warum die Allianz in dieser Frage nur noch in Deutschland ein verlässlicher Partner für ihre Kunden bleibt.

Geschäftlich läuft es für die Münchner zum Halbjahr 2018 indes rund, was vor allem auf den deutschen Markt und den Verkauf von Lebenspolicen neuen Zuschnitts mit reduzierten Garantien sowie die Vermögensverwaltung zurückzuführen ist. Über alle Sparten sind die Einnahmen nach sechs Monaten um knapp zwei Prozent auf gut 67 Milliarden Euro gestiegen, wobei Währungseffekte gedämpft haben. Die operativen Gewinne waren um knapp zwei Prozent auf 5,8 Milliarden Euro rückläufig, sind damit aber gut im Zielkorridor für das Gesamtjahr von 10,6 bis 11,6 Milliarden Euro.

Belastungen durch einige Großschäden hat die Allianz dabei im ersten Halbjahr gut verdaut. Aktienrückkaufsprogramme in Milliardenhöhe verdeutlichen die innere Stärke. Die Allianz werde 2018 voraussichtlich in der oberen Hälfte der prognostizierten Gewinnspanne landen, sagte Terzariol. Analysten halten teils noch mehr für möglich.

Vage nahm der Allianz-Finanzchef zur neuen Strategie Stellung, die Konzernchef Oliver Bäte in drei Monaten verkünden will. „Es wird eine Evolution sein“, betonte er. Ein Fokus werde auf Produktivitätssteigerung durch Digitalisierung und auf der Vereinfachung geschäftlicher Vorgänge liegen. So plant die Allianz einen neuen Direktversicherer. Der sei im Aufbau, sagte Terzariol, ohne Details zu nennen. Das dürfte neuen Druck auf den Personalstand entfachen. Global beschäftigt der Assekuranzriese, der mittlerweile eine Rekordsumme von fast zwei Billionen Euro verwaltet, 140 000 Mitarbeiter.

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