Saulgrub – Kundenbesuch vom Chef: Der Vorstandsvorsitzende des Essener Energieriesen Eon, Johannes Teyssen, hat sich am Freitag in Saulgrub (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) ein Bild von der Montage einer Solaranlage bei einem Kunden gemacht.
Der Unternehmer Peter Bichler hatte vor rund einem Jahr am Ortsrand von Saulgrub eine Fertigungshalle für Kunststoffteile in Betrieb genommen – 3B Kunststofftechnik heißt das Unternehmen. Aus Granulat lässt Bichler hier unter anderem Skibindungen für den Sportartikelhersteller Völkl herstellen – Spitzentechnologie aus einer Gemeinde mit rund 1600 Einwohnern. Problem dabei: Die Maschinen laufen rund um die Uhr, der Stromverbrauch ist enorm.
Bereits bei der Grundstückssuche hatte Bichler daher nach einem Gelände mit möglichst hoher Sonneneinstrahlung Ausschau gehalten. Das Dach der Halle ließ der so bauen, dass bei einem späteren Betrieb von Solarzellen mit einer hohen Stromausbeute zu rechnen ist. Jetzt hat Eon die Solaranlage geliefert und von einer Spezialfirma aufs Dach montieren lassen.
„Was wir hier sehen, ist Energiewende 2.0“, sagte Eon-Chef Teyssen. Es gehe für Solaranlagenbesitzer heute nicht mehr nur darum, Strom ins Netz einzuspeisen und gleichzeitig Strom zu beziehen, heute gehe es vielmehr um die intelligente Stromnutzung.
Eon-Experten hatten bereits vor der Montage der Solarmodule Bichlers Stromverbrauch analysiert und die Solaranlage passgenau geplant. Scheint im Oberland die Sonne, beziehen die Maschinen ihren Strom direkt von den Modulen auf dem Dach. „Wir werden ab sofort unsere Stromkosten um 18 000 Euro im Jahr reduzieren“, schätzt Bichler. Die Investition rechne sich in wenigen Jahren.
Am meisten verspricht sich aber Eon selbst von dem Geschäft. „Wir wollen weg vom reinen Verkauf von Kilowattstunden und Gas, wir wollen hin zu kundenorientierten Lösungen“, sagte Teyssen. Der klassische Verkauf von Strom werde für Eon zwar weiterhin eine Rolle spielen, im Solar-Geschäft sieht Teyssen aber eine wichtige Ergänzung.
Der Konzern steckt mitten im Umbau. Erst im Juli hatte Eon den Verkauf seiner früheren Kraftwerkssparte Uniper an den finnischen Energieversorger Fortum abgeschlossen.
Teyssen will sich künftig auf die Energienetze und das Endkundengeschäft konzentrieren. Dazu hat er einen Deal mit dem früheren Konkurrenten RWE vereinbart: Eon kauft die RWE-Netztochter Innogy und reicht im Gegenzug die eigene Ökostromproduktion an RWE weiter.
Das Geschäft mit Solarmodulen bleibt bei Eon, der Konzern rechnet mit Wachstum. „Unser Ziel ist es, dort Marktführer zu werden“, sagte Victoria Ossadnik, Chefin der deutschen Eon-Vertriebs-Tochter. Sebastian hölzle