München – Auf den ersten Blick läuft es bei der Munich Re derzeit nicht schlecht. 1,6 Milliarden Euro Halbjahresgewinn hat der Münchner Versicherungsriese bis Ende Juni erreicht, also rund zwei Drittel der bis zu 2,5 Milliarden Euro, die es bis Jahresende werden sollen. „Wir sind wirklich gut auf Kurs“, meinte der Konzernchef Joachim Wenning zur Vorstellung eines Zwischenberichts.
Börsianer sehen das anders. Um dreieinhalb Prozent auf rund 181 Euro hat das Papier des einstigen Börsenlieblings verloren und war damit zeitweise schlechtester Dax-Wert. Denn die Münchner profitieren von Steuereffekten, wogegen die Preise im Kerngeschäft mit Policen kaum steigen und die Früchte der Digitalisierung auf sich warten lassen.
So hat Konzerntochter Ergo zwar vorigen Oktober zeitgemäß den Online-Versicherer Nexible gestartet. Die seitdem policierten rund 30 000 Verträge von 20 000 Neukunden sind aber fast ausschließlich mit Schützenhilfe des Internetportals Check24 vermittelt worden, räumt Wenning ein. Dafür waren Provisionen fällig. „Es ist dünnmargig“, gesteht der Munich-Re-Chef.
Dazu kommt, dass zum 1. Juli im Kerngeschäft mit Rückversicherungen große Vertragsbestände neu verhandelt, dabei aber nur magere Preisaufschläge von knapp einem Prozent durchgesetzt werden konnten. Das ist enttäuschend, weil Naturkatastrophen und Großschäden wie 2017 vielfach eingetreten, normalerweise weit stärkere Preisschübe auslösen. Weil die Zinsen niedrig bleiben und Fonds sowie andere Kapitalsammelstellen aller Art mangels Anlagealternativen unvermindert auf Versicherungsmärkte drängen, bleibt der Preiseffekt diesmal mager.
Besser als erwartet läuft der Stellenabbau. 250 Leute sollten allein in der Münchner Zentrale per üppiger Abfindung zum Ausscheiden gebracht werden. 300 Beschäftigte sind es nun geworden, was einmalig 116 Millionen Euro kostet, jedem Ausscheidenden rechnerisch also 390 000 Euro bringt. Trotz Abwanderungsbereitschaft soll es aber beim weltweiten Abbau von 900 Jobs, davon die Hälfte in München, bleiben. Zum Halbjahr wurde der Personalstand global um 471 auf unter 42 000 Stellen reduziert. Trotz damit verbundener Einmalkosten und eines nicht näher bezifferten Großschadens bei einem Staudammbau in Kolumbien ist der Halbjahresüberschuss um ein Fünftel auf 1,6 Milliarden Euro gewachsen. Die Prognose für das Gesamtjahr will Wenning dennoch nicht erhöhen, weil die zweite Jahreshälfte schwächer ausfallen werde und dort das Risikopotenzial durch wetterbedingte Schäden besonders hoch ist. Die Bruttobeiträge des Konzerns sind zum Halbjahr um knapp zwei Prozent auf noch gut 24 Milliarden Euro gesunken. t. magenheim-hörmann