nach urteil in den USA

Kein neues Glyphosat-Verfahren – Kurseinbruch bei Bayer

von Redaktion

Frankfurt – Das US-Urteil gegen den Saatgutkonzern Monsanto wegen angeblich verschleierter Gefahren beim Pflanzenwirkstoff Glyphosat hat für einen herben Kurseinbruch bei der Bayer-Aktie gesorgt. Der Wert sackte bis Montagmittag um mehr als zwölf Prozent auf 80,43 Euro und damit auf den niedrigsten Stand seit Juli 2013. Zum Schluss des Xetra-Handels verzeichnete sie ein Minus von 10,78 Prozent auf 83,30 Euro. Bayer steckt derzeit mitten in der Übernahme des Saatgutriesen aus den USA.

Ein US-Gericht hatte am Freitagabend Monsanto zu 289 Millionen US-Dollar (254 Millionen Euro) Schadenersatz an einen Krebspatienten verurteilt, der Glyphosat für sein Leiden verantwortlich macht (wir berichteten).

Seit Jahren wird in ganz Europa über die Zulassung von Glyphosat gestritten. Die EU-Kommission verwies am Montag in Brüssel auf die Entscheidung vom Dezember, das Mittel grundsätzlich weitere fünf Jahre auf dem Markt zu lassen. Daran soll sich nach Angaben der Kommission nichts ändern. Es liege aber in der Hand der Mitgliedsstaaten, Lizenzen für die Nutzung zu erteilen.

In Deutschland hat die Entscheidung der US-Richter aus Sicht der Bundesregierung keinen Einfluss auf die hier geplanten Einschränkungen. Sie betreffe Gesundheitsaspekte für Menschen, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums am Montag in Berlin. Im Fokus der Bundesregierung stehe aber die wissenschaftlich klar belegte Beeinträchtigung der Artenvielfalt bei der Massenanwendung des Mittels.

Drastische Worte fand der französische Umweltminister Nicolas Hulot. „Das ist der Anfang vom Ende der Arroganz dieses verfluchten Paars Monsanto-Bayer“, sagte er in einem Interview der Zeitung „Libération“. Das Urteil mache sichtbar, dass es Monsantos verstecktes Ziel sei, „die Nahrungsressourcen des Planeten zu schröpfen“.

Alleine in den USA laufen mehr als 4000 weitere ähnliche Klagen gegen Monsanto, für die die Entscheidung vom Freitagabend wegweisend sein könnte. „Wenn es eine Viertelmilliarde Dollar pro Fall ist, muss man nicht viele Klagen verlieren, bevor es ziemlich teuer wird“, sagte Analyst Michael Leacock von der MainFirst Bank. „Die Gesamtkosten könnten unseres Erachtens leicht zehn Milliarden Dollar erreichen“, prognostizierte der Analyst. Vorausgesetzt, Bayer würde sich mit einer größeren Zahl von Klägern außergerichtlich einigen. Wenn die weitverbreiteten Pflanzenschutzmittel von Monsanto bei den Kunden als gefährlich angesehen werden, bestehe ein Risiko für das langfristige Geschäft, fügte er hinzu.

Das Vorgehen der US-Richter widerspreche „bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, jahrzehntelangen praktischen Erfahrungen und den Einschätzungen von Regulierungsbehörden weltweit“, hieß es bei Bayer. Monsanto kündigte Rechtsmittel an.  dpa/afp

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