München – Siemens, Allianz, BMW und Münchener Rück – in keiner anderen deutschen Stadt haben so viele Schwergewichte aus dem deutschen Aktienindex ihre Zentrale wie in München. Die vier Konzerne bringen nach Börsenwert gemeinsam so viel zusammen, dass alle anderen Städte dagegen verblassen. Nimmt man noch die Unternehmen aus dem Nebenwerte-Index MDax (MTU, Wacker Chemie, Scout 24, Osram und CTS Eventim) sowie dem Technologie-Index TecDax (Telefónica, Nemetschek, Siltronic und Cancom) dazu, sichert ein Marktwert von 308,83 Milliarden Euro München den Platz eins der „Börsenliga deutscher Städte“. Die Auflistung wird jährlich von der Strategieberatung Simon-Kucher & Partners zusammengestellt.
Auf Platz zwei des Siegertreppchens findet sich ein Ort mit weniger als 16 000 Einwohnern: Walldorf, bekannt unter anderem durch das gleichnamige Autobahnkreuz und das Softwareunternehmen SAP. Dessen Wert (121,83 Millionen Euro) erbrachte für die Kleinstadt mehr Gewicht als das schwergewichtige Schwesterpaar Deutsche Post und Deutsche Telekom zusammen für die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn, die mit 103,58 Millionen auf den dritten Platz verdrängt wurde.
München hat allerdings verloren – und zwar 41 Milliarden Euro an Börsenwert. Man kann das allein auf das Konto des Gaseunternehmens Linde verbuchen. Dieser Wert ist – falls die Fusion mit Praxair nicht scheitert – für München dahin. Linde wurde deshalb bei Simon-Kucher & Partners mit null verbucht.
Dazu kommt die Siemens Ausgliederung Healthineers, die in Erlangen sitzt und die fränkische Universitätsstadt mit 37,84 Milliarden Euro aus dem Nichts auf Platz drei der bayerischen Börsenliga katapultierte. Dabei verloren Siemens und München durch die Ausgliederung weit weniger, als Erlangen gewann. Mehr als Platz drei war fürs Erste trotzdem nicht drin. Denn Adidas, Puma und Schaeffler verteidigten mit zusammengenommen 51,59 Milliarden Euro Börsenwert für die Erlanger Nachbarstadt Herzogenaurach den zweiten Platz in der Liste.
Die nächstplatzierten bayerischen Orte liegen im Münchner Umland: Neubiberg (Infineon), Aschheim (Wirecard), Unterföhring (ProSiebenSat.1) Martinsried/Planegg (Morphosys, Medigene), Unterschleißheim (Deutsche Pfandbriefbank). Bayerns zweitgrößte Stadt Nürnberg ist Schlusslicht im Freistaat. Der Auto-Zulieferer Leoni bringt für die Frankenmetropole ein Gewicht von 1,24 Milliarden Euro.
München, Erlangen und Nürnberg – andere bayerische Großstädte kommen in der Auflistung überhaupt nicht vor. Das würde sich geringfügig ändern, wenn auch der SDax (kleinerer Unternehmen) berücksichtigt würde. Damit hätten wenigstens Augsburg mit dem Immobilienunternehmen Patrizia (1,6 Milliarden Euro) und Würzburg mit dem Druckmaschinenhersteller König & Bauer (1,0 Milliarden Euro) einen Platz in der bayerischen Börsenliga. Am deutlichsten dürften aber zwei Orte in Oberbayern von einer Berücksichtigung des SDax profitieren: Landsberg mit dem Index-Schwergewicht Rational (Börsenwert 7,4 Milliarden Euro) und Pullach mit dem Autovermieter Sixt (4,5 Milliarden Euro).