München – Um gut sechs Prozent ist die Zahl der Beschäftigten im Handwerk in den vergangenen Jahren gestiegen. In Bayern waren es sogar sieben. Das klingt ordentlich. Bedenkt man, dass die Beschäftigung insgesamt in den Jahren 2009 bis 2015 um über 12 Prozent (in Bayern gut 14) zugelegt hat, erscheinen die Zahlen in einem anderen Licht, wie eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt.
Sowohl regional als auch was die einzelnen Gewerke betrifft, gibt es laut IAB große Unterschiede. Die bundesweit meisten Beschäftigten im Handwerk sind demnach Kraftfahrzeugtechniker und Gebäudereiniger, gefolgt von den Elektrotechnikern sowie Maurern und Betonbauern. Zusammen mit den Installateuren und Heizungsbauern, Bäckern, Feinwerkmechanikern und Metallbauern sind in diesen acht Gewerbezweigen insgesamt über 60 Prozent aller im Handwerk Beschäftigten tätig.
In Bayern wird die Rangliste ebenfalls angeführt von den Kraftfahrzeugtechnikern und den Gebäudereinigern. Auf Platz drei folgen nach den Zahlen der letzten Handwerkerzählung in Bayern Maurer und Betonbauer.
In beinah allen Gewerken hat die Zahl der Beschäftigten laut IAB in den vergangenen Jahren zugenommen – mit Ausnahme von Friseuren, Metzgern und Bäckern. In Bayern war laut dem Bayerischen Handwerkskammertag (BHT) zusätzlich die Zahl der Zahntechniker rückläufig.
Eine aktuelle Analyse des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk (ifh) an der Universität Göttingen zeigt, in welchen Regionen Deutschlands das Handwerk besonders stark vertreten ist. Die Wissenschaftler griffen dabei auf Informationen der INKAR-Datenbank des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zurück, die aus dem Jahr 2014 stammen. Absoluter Spitzenreiter ist demnach Weiden in der Oberpfalz. Hier liegt der Anteil der im Handwerk Tätigen an allen Erwerbstätigen bei 57,2 Prozent. Dieser „deutliche Ausreißer“ erklärt sich laut Studie durch die Ansiedlung eines großen Handwerksunternehmens, welches deutschlandweit Filialen besitzt und dessen Mitarbeiter am Standort der Firmenzentrale gezählt werden. Es handelt sich um die Werkstattkette ATU.
Im Allgemeinen gilt, dass der Anteil der Erwerbstätigen im Handwerk an allen Erwerbstätigen auf der Kreisebene zwischen vier und 31 Prozent schwankt. In 80 Prozent aller Kreise liege er bei über zehn Prozent, schreiben die Autoren der Studie. Lediglich in einzelnen Kreisen übersteigt der Anteil die Schwelle von 25 Prozent: Zu diesen zählen laut Studie neben Weiden auch Neumarkt in der Oberpfalz (29,4 Prozent), Schwabach Stadt (30,4 Prozent), Rottal-Inn (28,4 Prozent), Straubing-Bogen (26,2 Prozent), Oldenburg (26 Prozent) und Eichstätt (25,1 Prozent). In der Region um München ist der Handwerkeranteil im Landkreis Ebersberg mit 21 Prozent am größten. Am geringsten ist der Anteil dagegen in der Stadt München mit 6,9 Prozent (siehe Tabelle).
Handwerksregionen seien vorwiegend ländlich, heißt es beim ifh. Wie die Untersuchung zeigt, ist der Anteil der Handwerker an den Beschäftigten in ländlich geprägten Regionen durchweg höher als in städtisch geprägten Teilen Deutschlands. „In den städtischen Kreisen liegt der Handwerksanteil an allen Erwerbstätigen bei 12,6 Prozent. Dieser Anteil wächst auf 15,3 Prozent in den Kreisen mit Verstädterungsansätzen und auf 16,1 Prozent in ländlichen Kreisen“, so die Autoren.
Aktuell arbeitet im Schnitt jeder achte Beschäftigte in Bayern im Handwerk. Der Handwerkeranteil liegt also bei rund 13 Prozent. Das zeigen Zahlen des BHT. Dem steht ein Anteil von 30 Prozent bei den Auszubildenden gegenüber. Die Zahl der Lehrlinge ist in diesem Jahr erneut gewachsen – gut 23 000 junge Leute haben sich für eine Ausbildung in einem Handwerksberuf entschieden. Eine Berufsausbildung sei eine „ideale Grundlage für den Einstieg ins Berufsleben“, findet BHT-Präsident Franz Xaver Peteranderl weiter: „Das Handwerk mit seinen rund 130 verschiedenen Ausbildungsberufen bietet für jedes Talent und jede Neigung etwas.“ Am beliebtesten ist bei Jugendlichen seit Jahren der Kfz-Mechatroniker. Mehr als 12 500 Lehrlinge gibt es aktuell über ganz Bayern verteilt. Zumindest in den Autowerkstätten dürften die Fachkräfte damit nicht so schnell ausgehen.