München – Das Umfeld war spektakulär: Im Laderaum eines Frachtflugzeugs präsentierte BMW an Bord am Münchner Flughafen seine jüngste Zukunftsvision: Den iNEXT, den jüngeren, aber jetzt schon größeren Bruder des kompakten i3 und des sportlichen i8. Es ist der Versuch einer Antwort auf die Herausforderung durch Tesla. Und weil Audi und Mercedes jüngst ihre künftigen Elektro-Autos vorstellten, ist ein Vergleich durchaus verlockend.
Was haben iNEXT, der EQC von Daimler und der Audi e-tron gemeinsam? Das ist zunächst einmal der Auftritt: Alle drei Elektroautos sind Sport Utility Vehicles (SUV) – ausgesprochene Dickschiffe – und zwischen 1,60 und 1,70 Meter hoch. Das ist kein Wunder: Der EQC hat die gleiche Plattform wie der geländegängige GLC, Der Audi e-tron basiert auf dem Q5. Und der iNEXT übertrifft die Dimensionen des X5.
Alle drei Konstruktionen haben ein Handicap: Um die Reichweite zu erhöhen, müssen gewichtige Stromspeicher an Bord gepackt werden. Das macht sie schwer. Der e-tron schleppt – für 400 Kilometer Reichweite – 2,5 Tonnen Leergewicht mit sich herum, der EQC kommt mit 2,4 Tonnen 450 Kilometer weit. Und 600 Kilometer Reichweite weisen darauf hin, dass auch der BMW-Koloss zwischen gut zwei und knapp drei Tonnen auf die Waage bringen dürfte. Genaueres weiß man noch nicht. Denn während Audi mit seinem Modell noch in diesem Jahr die Produktion starten will und Mercedes 2019 folgt, lässt sich BMW noch reichlich Zeit: Geplante Markteinführung 2021.
Dass BMW bei der Elektromobilität den Anschluss verliert, wie einige Experten befürchten, ist aber ein voreiliger Schluss. So hat BMW den i3 seit Jahren im Modellprogramm, bringt im nächsten Jahr den ersten vollelektrischen Mini und ein Jahr später den iX3, der sich – wie die Modelle von Daimler und Audi – die Plattform mit einer herkömmlichen SUV-Schwester teilt. Und dann ist auch noch ein i4 in der Pipeline, der in München gebaut werden soll.
Mit dem iNEXT will BMW ein deutliches Stück weiter in die Zukunft blicken. Noch ist das Auto mehr Studie als konkretes Modell. Sie wirkt wie Science-Fiction. Er wird aber nach BMW-Gepflogenheiten 2021 äußerlich wiedererkennbar auf den Mark kommen. Damit unterscheidet sich BMW von Konkurrenten. deren Visionen meist in der Versenkung verschwinden.
Dass der iNEXT elektrisch fährt, ist beinahe schon Nebensache. Das Außergewöhnliche an diesem Technologieträger für die Auto-Zukunft ist, dass es vernetzt und vor allem nahezu autonom fahren können soll. So entwirft der Münchner Konzern vorsichtig die Antwort darauf, was mit den Bedienelementen passiert, wenn man sie gerade nicht braucht: Das Lenkrad wird nur ein bisschen versenkt, die Pedale eingezogen.
BMW hat für den iNEXT auch Ideen dafür entwickelt, wie sich das alles aufs Innere des Fahrzeugs auswirkt: Schalter sucht man vergeblich. Bedient wird über Touchflächen (wie beim Touchscreen im Smartphone) auf Stoffbezügen oder Dekorelementen im Fahrzeug. Und Informationen oder auch Filme werden per Beamer auf geeignete Flächen projiziert.
Die Premium-Hersteller werden in Sachen Elektroauto nicht allein bleiben. Volkswagen hat gestern eine Offensive zum Ausbau der Elektromobilität angekündigt.Schon 2020 will die Marke Volkswagen rund 150 000 E-Autos verkaufen, darunter 100 000 des neuen Elektromodells I.D. Geplant sei, „attraktive Modelle zu bezahlbaren Preisen“ auf die Straße zu bringen und so „dem E-Auto weltweit zum Durchbruch zu verhelfen.“ mit Material von afp