München – Es könnte der größte Börsengang in Deutschland 2018 werden: Bis zu 30 Prozent will die Eignerfamilie von Knorr-Bremse nach einem positiven Echo von Investoren nun über die Börse versilbern, teilte der Weltmarktführer für Lokomotiv- und Lkw-Bremsen in München mit. Die Preisspanne dafür liege zwischen 72 und 87 Euro. Interessenten können ihre Angebote ab kommendem Montag und bis 11. Oktober abgeben. Stellt sich dabei ein Preis am oberen Rand der Spanne ein und werden alle bis zu 48,4 Millionen aus dem Privatbesitz der Gründerfamilie angebotenen Papiere inklusive Mehrzuteilungsoptionen verkauft, fließen dem Konzernpatriarchen Heinz Hermann Thiele und seiner Familie maximal gut 4,2 Milliarden Euro zu.
Damit könnte Knorr-Bremse sogar noch vor der Medizintechniksparte von Siemens den größten Börsengang des Jahres in Deutschland hinlegen. Das als Healthineers firmierende Unternehmen hat bei seinem Börsengang ebenfalls 4,2 Milliarden Euro eingespielt. Wie Healthineers wird auch Knorr-Bremse selbst beim Gang aufs Parkett leer ausgehen. Den Healthineers-Erlös hat Mutterkonzern Siemens vereinnahmt. Der von Knorr-Bremse fließt komplett in die Taschen des Milliardärs Thiele, seiner Tochter und anderen Familienmitgliedern.
Vorstandschef Klaus Deller ist dennoch vorfreudig. „Der Börsengang ist der nächste logische Schritt für uns“, erklärte er. Deller und seine Vorstandskollegen werden dabei selbst zu Aktionären. Denn Aktien im Wert von 3,15 Millionen Euro sind zum finalen Angebotspreis fix für die Führungsriege reserviert. Erster Börsentag auf dem Frankfurter Parkett für Knorr-Bremse wird dann der 12. Oktober sein. Dem gesamten Unternehmen wird mit der nun veröffentlichten Preisspanne ein Wert zwischen 11,6 und 14 Milliarden Euro zugerechnet. Mindestens 70 Prozent der Anteile sind auch nach dem Schritt auf das Frankfurter Parkett noch im Besitz von Thiele & Co., womit die Familie das Sagen behalten wird.
Ein Gewinn ist der Börsengang auch für die daran beteiligten Banken, allen voran die Deutsche Bank. Ihr wird an Gebühren eine zweistellige Millionensumme zufließen.
Das Unternehmen braucht den Börsengang derzeit weder finanziell noch strategisch. Mit Weltmarktanteilen bei Bremsen für Züge und Lkw von rund 50 Prozent oder knapp darunter hat Thiele, der selbst lange Jahre Konzernchef war, das Unternehmen in eine mehr als komfortable Position gebracht. Eigentlicher Hintergrund des Börsengangs ist sein Alter von 77 Jahren. Der Schritt aufs Parkett soll sein Lebenswerk mangels Nachfolger im Familienkreis absichern.
t. magenheim-hörmann