Paris – Auch wenn man Milliardär ist, hat man noch Träume. Ganz besondere natürlich. Und auch solche, die man sich mit dem vielen Geld erfüllen kann. Mister Pham Nhat Vuong aus Vietnam träumte zum Beispiel von einem eigenen Auto. Aber nicht von einem, das man einfach so kaufen kann, denn das hätte der Milliardär, sicherlich schon längst getan. Nein hier lag die Messlatte höher: Vuong wollte selbst ein Auto bauen. Für sich, für die vielen Vietnamesen, die mittlerweile zu Wohlstand gekommen sind, und für die Welt. Und wie das so ist als Milliardär: Man nimmt ein bisschen mehr Geld (in diesem Fall drei Milliarden Dollar) in die Hand und schon hat man seinen Auftritt auf der internationalen Autobühne. In diesem Fall beim Pariser Autosalon, wo noch bis 14. Oktober die beiden Lux-Modelle von VinFast, ein SUV und ein Pkw, zu sehen sind.
Prominente Geburtshelfer auf offener Bühne sind die derzeit amtierende Schönheitskönigin von Vietnam, Miss Tran Tieu Vy, und eine Hebamme, mit der niemand gerechnet hat: David Beckham. Den Besuchern auf dem Pariser Autosalon entfährt ein raunendes Oh und schon wird der ehemalige Fußball-Gigant befragt, wie er denn die neuen Modelle mit dem sperrigen Namen Lux A2.0 und Lux SA2.0 von Vinfast findet? Beckham nuschelt ein paar Sätze voller Bewunderung, beim anschließenden Foto-Shooting fühlt er sich sichtlich wohler.
Mister Vuong sucht man in Paris vergeblich. Der Mann ist viel zu scheu, lässt sich selten in der Öffentlichkeit blicken und schon gar nicht interviewen. In bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen hat er es vom Geologie-Studenten in Moskau über die Erfindung eines Verfahrens zur Haltbarmachung von Lebensmitteln (unter anderem Tütensuppen) in der Ukraine und dem Verkauf seines Unternehmens in Höhe von 150 Millionen Dollar an Nestlé mittlerweile ganz an die Spitze geschafft. Er ist Vietnams erster Milliardär, sein Firmenkonglomerat hat eine Marktkapitalisierung von 35 Milliarden Dollar.
Doch zurück zu den Autos: Die sollen ab Mitte 2019 vom Band rollen und zunächst einmal den vietnamesischen Markt bedienen. Die Fabrik dazu steht in Haiphong, Nordvietnam. 335 Hektar in der Nähe eines großen Hafens. An ihr haben hauptsächlich deutsche Firmen wie Bosch, Siemens, Dürr oder ABB gearbeitet. 100 Prozent deutsche Industrietechnik.
Hier können bald 250 000 Autos jährlich produziert werden, die Kapazitäten sind aber auch auf bis zu einer halben Million Fahrzeuge erweiterbar. Damit lässt sich nicht nur der wachsende heimatliche Markt bedienen. Immerhin zehn bis 15 Prozent der rund 90 Millionen Vietnamesen zählen zur Mittelschicht und könnten sich das Auto (der Preis soll bei umgerechnet rund 35 000 Euro liegen) theoretisch leisten.
Von hier aus lassen sich auch die Bedürfnisse von anderen, zunächst südostasiatischen Ländern erfüllen. In Paris wurden die Ansprüche noch größer formuliert: Nämlich dass Vietnam jetzt auf der automobilen Weltkarte verzeichnet ist und man Autos deshalb künftig auch in die Welt exportieren möchte. Wann VinFast-Autos in Deutschland verfügbar sein werden, ist noch nicht klar. Dem Vernehmen nach wohl nicht vor 2022.
Die Technik für die beiden Lux-Modelle von VinFast kommt aus aller Herren Länder, vor allem jedoch aus Deutschland. Die Motoren zum Beispiel stammen aus München und sind „alte“ BMW-Aggregate – 2,0-Liter-Benziner mit einem Leistungsspektrum von 176 bis 231 PS. Auch die Fahrzeugarchitektur ist von BMW lizenziert und bayerisch: Hier bildet der „alte“ Fünfer die Basis. Der Antriebsstrang kommt vom Bodensee, von ZF in Friedrichshafen, das Fahrwerk von der österreichischen Firma Magna-Steyr. Gestaltet wurden die beiden Lux-Modelle (nach einer großen Online-Befragung in Vietnam) von den Profis von Pinifarina und dem ehemaligen Designchef von General Motors, David Lyon. Der VinFast-Chef selbst ist ebenfalls Amerikaner – und ebenfalls von GM. James DeLuca war im Top-Management der Amerikaner zuletzt zuständig für das Qualitätsmanagement in Korea.
Deutsche Technik, italienisches Design, amerikanisches Know-how – fehlt noch die asiatische Note. Die findet man bei den beiden Modellen am eher extrovertierten Design. Da sind etwa exotische Farbelemente im Innenraum oder die LED-Spange, die das V im Kühler discomäßig beleuchtet. Ob die Vietnamesen damit Erfolg auch auf internationaler Bühne haben, wird sich zeigen. Vielleicht aber holt sich Milliardär Vuong auch hier einen schnellen Erfolg. Den Firmennamen VinFast könnte man auch mit WinFast interpretieren: Gewinne schnell.