Innovationskraft nimmt ab

von Redaktion

Forschungsnetzwerk sorgt sich um deutschen Mittelstand

Köln – China will zum führenden Hightech-Land aufsteigen und setzt im globalen Wettlauf auch Deutschland unter Druck. Damit Europas größte Volkswirtschaft nicht ins Hintertreffen gerät, sprechen sich Politik, Wirtschaft sowie Ökonomen regelmäßig für mehr Innovationskraft vor allem des Mittelstandes aus. Doch mit Steueranreizen allein würden der Standort Deutschland sowie kleine und mittlere Unternehmen nicht gestärkt, warnt nicht nur das Industrie-Forschungsnetzwerk AiF: „China will Innovationsweltmeister werden. Wenn wir uns nicht deutlich anstrengen, werden wir abgehängt“, sagte AiF-Präsident und Bauunternehmer Sebastian Bauer. „Noch sind Europa und Deutschland innovativer. Im Moment sind Forschung und Entwicklung in China noch nicht so effizient wie in Deutschland“, sagte Bauer. Aber die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt plane generalstabsmäßig, das Feld aufzurollen. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht untergehen“, warnte der Familienunternehmer. Bei „Sprunginnovationen“, mit denen Produkte, Dienstleistungen und ganze Märkte komplett verändert werden, hinke Deutschland hinterher. Um die Grundlagenforschung mache er sich eher keine Sorgen: „Aber der Transfer der Grundlagenerkenntnisse in die Wirtschaft könnte besser sein.“

Mittelstandsfirmen haben häufig keine eigenen großen Forschungsabteilungen. In keinem anderen Land gibt es aber so viele internationale Spitzenreiter wie hierzulande. Auf seine „hidden champions“ ist Deutschland stolz. Doch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kritisierte jüngst, dass die Innovationskraft dieser oft hoch spezialisierten Firmen abnehme und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet sei. 2015 hätten nur noch rund zwei Drittel der Mittelstandsfirmen mit bis zu 1000 Beschäftigten regelmäßig neue Produkte eingeführt. Fünf Jahre zuvor seien es noch rund 75 Prozent gewesen. Die Großen mit eigener Forschungsabteilung könnten EU-Programme anzapfen. Bei 1000 Forschungsprojekten größerer Unternehmen könne auch mal eine Idee daneben gehen. Aber ein kleineres Unternehmen wäge schon ab, bevor es das Risiko einer großen Forschung eingehe.

CDU, CSU und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, „neue Instrumente zur Förderung von Sprunginnovationen und des Wissenstransfers in die Wirtschaft“ zu entwickeln. Den „innovativen Mittelstand“ will das Regierungsbündnis stärken. „Den Worten der Koalitionäre müssen aber auch Taten folgen“, mahnt Bauer.

Artikel 7 von 8