Was die Volkswagen-Rabatte bringen

von Redaktion

VW will mit weiteren Rabatten dafür sorgen, dass Verbraucher ihre alten Fahrzeuge durch neue ersetzen. Doch die Unsicherheiten sind groß.

Hannover – Mit einer weiteren Rabatt-Ankündigung reagiert VW auf die Diesel-Debatte. Zurückgenommen würden Modelle beliebiger Hersteller – und der Kauf eines Neuwagens oder eines jungen Gebrauchtfahrzeugs werde im Gegenzug mit einem Preisnachlass unterstützt. Wie hoch dieser ausfällt, hängt von Hersteller und Modell ab. Kritik an der Ankündigung ließ nicht lange auf sich warten. Und auch für die Verbraucher bleiben Fragen offen.

Was bringen die Rabatte den Kunden konkret?

Das hängt sehr vom Einzelfall ab. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg warnt etwa davor, dass vor allem bei wenige Jahre alten Dieseln der Wertverfall durch den Umtausch so groß sein könnte, dass die Inzahlungnahme durch den Händler inklusive der nun ausgelobten Rabatte diesen nicht ausgleichen würde. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management an der Fachhochschule in Bergisch Gladbach sagt: „Ich kann nur empfehlen, dass jeder Verbraucher genau nachprüft, mit welchen Wertverlusten er im Fall der Prämie zu rechnen hat.“

Verrechnen die Hersteller die neuen Rabatte einfach mit bestehenden?

Bei VW heißt es, dass die nun vorgestellten Rabatte von den Händlern durchaus mit bestehenden kombiniert werden können. „Auf diese Weise können Nachlässe erreicht werden, die deutlich über die normalerweise erhältlichen hinausgehen“, meinte ein Sprecher.

Laut Dudenhöffer macht das aus Herstellersicht durchaus Sinn. Denn der Absatz von Dieselautos bricht schon seit Längerem ein. Ihr Anteil am Gesamtabsatz lag dem Kraftfahrt-Bundesamt zufolge im September nur noch bei knapp 30 Prozent. Allein im vergangenen Monat hat sich die Zahl der Neuzulassungen von Dieselfahrzeugen demnach halbiert. Die Rabattaktion könnte die Nachfrage also ankurbeln.

Sind die Rabatte also ein Konjunkturprogramm für VW-Dieselwagen?

Dieser Eindruck greift Bratzel zufolge zu kurz – auch wenn er nicht ganz von der Hand zu weisen sei. „Die Hersteller nehmen schon kräftig Geld in die Hand, um diese neuen Rabatte nun anzubieten“, sagt er. Es sei vor allem ein Versuch, auf die Debatte zu reagieren. Dass VW ausschließlich den Absatz seiner Dieselmodelle im Kopf hat, ist auch aus anderem Grund unwahrscheinlich: Die Rabatte werden zumindest bei der Tochter Audi auch dann ausgezahlt, wenn sich der Kunde für ein Elektroauto entscheidet. Bei VW selbst ist das nur der Fall, wenn der Altwagen des Kunden in einer der 14 besonders belasteten Städte zugelassen ist oder es sich um einen Jahreswagen handelt.

Die abgegebenen Fahrzeuge werden zum Teil verschrottet. Ist das ökologisch sinnvoll?

Das kommt auf das Alter der Autos an. Die letzten Euro-4-Dieselfahrzeuge wurden im Jahr 2009 zugelassen. „Da ist eine Verschrottung aus ökologischer Sicht zumindest bedenklich“, sagt Bratzel. Bei neueren Fahrzeugen mit der Euro-5-Norm ergebe sie gar keinen Sinn. Wenn die Fahrzeuge nicht verschrottet werden, werden sie weiterverkauft. Angesichts der sich im Sturzflug befindenden Nachfrage könnte sich das allerdings als schwierig erweisen.

Was bleibt unterm Strich von der Aktion?

Viel Kritik, auch von Seiten der Verbraucherschützer. Aus deren Sicht etwa liegen die neuen Rabatte bei manchen Modellen auf demselben Niveau wie bei der sogenannten Umweltprämie, die VW 2017 mit ins Leben gerufen hatte. „Da wurde nur mit Zahlen getrickst“, meint Marion Jungbluth, Leiterin des Teams Mobilität und Reisen beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Zudem kritisiert sie, dass es für die neuen Diesel nur eine dreijährige Garantie gebe, innerhalb derer die Fahrzeuge etwa im Fall von Fahrverboten wieder umgetauscht werden könnten. Allerdings können Euro-6-Dieselautos erst im Jahr 2023 wieder von Fahrverboten betroffen sein.  dpa

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