BMW-Konzern braucht mehr Platz – und baut für seine Bank

von Redaktion

München – Viele Banken sind in der Krise. Die meisten machen Filialen dicht und entlassen Personal. Doch nicht alle. Eine, die man nicht gleich als Bank erkennt, expandiert und braucht mehr Platz – unter anderem für hochqualifizierte Mitarbeiter.

Es ist schwer zu übersehen: An immer mehr Gebäuden im Münchner Norden prangt das Zeichen des größten industriellen Arbeitgebers der Landeshauptstadt: den weißblauen BMW-Propeller. Das unaufhaltsame Wachstum des Autokonzerns sorgt für Platzprobleme. Nun winkt Linderung. Eine Großbaustelle an der Lilienthalallee wird 2019 das Erscheinungsbild des bisher eher nüchternen Euro-Industrieparks verändern. Hier entsteht das Zentrum III des BMW-Konzerns. Es ist zwar architektonisch nicht so spektakulär wie das Zentrum I mit Werk, BMW-Welt und Vierzylinder und auch nicht so gigantisch wie das Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) mit seinen 26 000 Arbeitsplätzen. Aber es wird mit über 70 000 Quadratmetern Bürofläche und mehr als 3000 Mitarbeitern der drittgrößte Münchner BMW-Standort.

Hier wird kein Auto entwickelt, wie knapp zwei Kilometer östlich im FIZ und auch keines gebaut wie im Münchner Werk. Und dennoch sind hier ab 2019 Funktionen, die für einen Autokonzern inzwischen unerlässlich sind: der Deutschland-Vertrieb des Konzerns, das Alphabet Fuhrparkmanagement, das Flotten von Großkunden betreut, und die BMW Bank, die über Leasing und Finanzierung vier von fünf neuen BMWs und Minis in Deutschland finanziert.

Da ist zwar auch künftig kein Schalter wie bei anderen Banken, und wer Aktien oder andere Wertpapiere kaufen will, wird hier fehl am Platz sein. Und doch handelt es sich um eine richtige Bank, eine Vollbank, wie es streng genommen heißt. Auch wenn es bei ihr nur um Finanzgeschäfte rund um die Autofinanzierung geht und um Geldanlagen, um das Verleihen zu finanzieren.

Das mit der Bank merkt man nicht sofort. Denn der im Geldgewerbe immer noch übliche Dresscode mit Anzug und Krawatte oder dunklem Kostüm ist hier Auslaufmodell. „Die jungen Leute mögen keine steife Bank-Kultur“, sagt Joachim Ritter, Leiter der Personalabteilung.

Rekrutierung – merkt man – ist ein wichtiges Thema. Dabei wächst die Belegschaft der BMW Bank nicht. Sie ist mit rund 800 Mitarbeitern seit Jahren eher stabil. Allerdings sind es kaum andere Banken, die die Mitarbeiter abwerben. Die Verlockung, zum Mutterkonzern zu wechseln, sei immer da, sagt Ritter. Zwar kommen auch Mitarbeiter aus dem Konzern – wie Ritter selbst vor zehn Jahren – zur Bank. Doch deutlich mehr wechseln in die Gegenrichtung.

Obwohl die BMW Bank selbst nicht ausbilden kann – dazu fehlt ihr zu viel, was zum ganz normalen Bankgeschäft dazugehört – hat sie nach ihrer eigenen Einschätzung kein Problem, die Lücken immer wieder mit qualifiziertem Nachwuchs zu füllen. „Wir haben einen Riesenvorteil gegenüber anderen Banken“, sagt Ritter. „Das sind die drei Buchstaben BMW.“ Man profitiere von der Strahlkraft des Konzerns. Auch dessen Vorteile – vom Jahreswagen über Teilzeitmodelle, die Betriebskrankenkasse bis hin zur betrieblichen Altersvorsorge – teilt man mit der Muttergesellschaft. Umgekehrt ist er stolz, dass frisch angeworbene Mitarbeiter – etwa ein Drittel sind ausgebildete Bankkaufleute, zwei Drittel kommen aus Hochschulen – wie in kleinen und mittleren Unternehmen gleich richtig ran müssen. „Wir sind klein mit flachen Hierarchien.“, sagt Ritter. „Da hat man gleich ein breites Aufgabenfeld.“ MARTIN PREM

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