Walldorf – Europas größter Softwarekonzern SAP legt im Wettlauf mit der Konkurrenz noch einmal nach und leistet sich einen weiteren milliardenschweren Zukauf. Für das US-Unternehmen Qualtrics, das eigentlich bald an die Börse gehen wollte, legt SAP acht Milliarden US-Dollar (rund sieben Milliarden Euro) auf den Tisch, wie der Dax-Konzern ankündigte. Es ist die zweite Milliardenübernahme in diesem Jahr, mit der SAP-Chef Bill McDermott gezielt im Revier des US-Rivalen Salesforce wildert – und es ist in Euro gerechnet die teuerste des Konzerns überhaupt.
Qualtrics ist spezialisiert auf das Sammeln von Kunden-, Mitarbeiter- und Produktdaten. Unter anderem sollen Webseitenbesucher so schneller wiedererkannt werden, um ihnen gezielt Produkte anbieten zu können. Vor allem die Verbindung mit Daten aus dem eigenen Unternehmen verheiße gutes Geschäft für die Kunden, sagte McDermott.
SAP hatte sich eigentlich auf kleinere Übernahmen konzentrieren wollen, nachdem der Konzern Anfang des Jahres bereits 2,4 Milliarden Dollar für Callidus ausgegeben hatte. Dieses Unternehmen bietet vor allem Vertriebsmitarbeitern die Möglichkeit, vor Ort beim Kunden Angebote zu erstellen.
„Wir hätten niemals gedacht, dass wir Qualtrics bekommen könnten“, sagte McDermott und verwies auf einen „massiven“ Markt mit einem Volumen von mehr als 44 Milliarden Dollar, den man mit Qualtrics beackern könne. Analysten der NordLB etwa nannten den Kaufpreis für die Übernahme von Qualtrics allerdings „recht sportlich“. Das fand man auch an der Börse. Die SAP-Aktie geriet stark unter Druck.
Die zugekaufte Firma erwarte für 2018 rund 400 Millionen Dollar Umsatz und zukünftige Wachstumsraten von über 40 Prozent, hieß es.