Mehr Geld und mehr Rechte für Fahr- und Fluggäste

von Redaktion

Straßburg – Bahnreisende sollen nach dem Willen des EU-Parlaments künftig deutlich höhere Entschädigungen bei verspäteten oder ausgefallen Zügen bekommen. Die Europaabgeordneten stimmten für entsprechende Vorschläge. Demnach sollen Bahnunternehmen bei Verspätungen von mehr als einer Stunde die Hälfte des Ticketpreises zurückerstatten. Drei Viertel würden bei mehr als eineinhalb Stunden und der komplette Ticketpreis bei mehr als zwei Stunden fällig. Bislang haben Bahnreisende in Deutschland maximal Anspruch auf die Hälfte des Ticketpreises.

Ob das Parlament mit diesen Forderungen Erfolg hat, steht noch nicht fest. Bevor die neuen EU-Regeln in Kraft treten können, müssen die Abgeordneten einen Kompromiss mit dem Rat der Mitgliedstaaten finden. Bei dem Gesetzesvorhaben geht es darum, die seit 2009 bestehenden Regeln zu den Fahrgastrechten zu aktualisieren.

Das EU-Parlament will außerdem erreichen, dass Bahnreisende bei Fahrten über Staatsgrenzen hinweg leichter Entschädigungen bekommen können – und das auch, wenn für die Reise Tickets bei verschiedenen Anbietern gekauft wurden. Dann soll trotzdem für die gesamte Strecke ein Entschädigungsanspruch bestehen. Wer also einen Thalys in Belgien wegen eines verspäteten ICE verpasst, müsste auch die Kosten für dieses Ticket teilweise oder ganz erstattet bekommen.

Die Deutsche Bahn hat in diesem Jahr mit einer größeren Zahl an Verspätungen zu kämpfen. Vor allem das Wetter machte dem Verkehrsunternehmen in diesem Jahr zu schaffen. So richtet der Orkan „Friederike“ im Januar so große Schäden an, dass die Bahn den Fernverkehr in ganz Deutschland mehrere Stunden einstellte. Der lange, heiße Sommer führte zu zahlreichen Störungen an Fahrzeugen und im Schienennetz. Im August sank der Anteil pünktlicher Fernzüge sogar auf unter 70 Prozent.

Im ersten Halbjahr wurden rund eine Million Fahrgastrechte-Formulare eingereicht, mit denen Kunden ihre Entschädigungsansprüche geltend machen. Im gesamten Jahr 2017 erhielt die Bahn 1,5 Millionen solcher Anträge. Die Entschädigungssumme betrug nach Angaben der Bahn im vorigen Jahr 30 Millionen Euro.

Auch in Deutschland tut sich etwas. In der kommenden Woche wird das Saarland einen Entschließungsantrag im Bundesrat einbringen. Kernpunkt ist die Forderung, dass Airlines oder Bahnen bei Verspätungen oder Ausfällen von sich aus die betroffenen Passagiere entschädigen müssen. Bisher zahlen die Transportunternehmen Schadenersatz nur auf Antrag. Bei den Fluggesellschaften ist dies oft ein langwieriges Unterfangen.  wm, dpa

Artikel 2 von 6