MAN: Spar-Verhandlungen verunsichern Belegschaft

von Redaktion

München – Mitarbeiter von MAN sind beunruhigt über mögliche Umwälzungen bei dem Nutzfahrzeughersteller, der wie auch der schwedische Konkurrent Scania zum neu gegründeten Traton-Konzern gehört. Derzeit kursieren Informationen über eine bevorstehende Betriebsänderung bei dem Nutzfahrzeughersteller. „Ein Sozialplan wird gerade erstellt“, heißt es in einem unserer Zeitung anonym zugeschickten Schreiben, das offenbar auch im Werk an der Münchner Stadtgrenze zu Karlsfeld (Kreis Dachau) kursiert. Der Betriebsrat dementiert.

„Massenhaft werden Mitarbeiter zu Kündigungen und Aufhebungsverträgen gedrängt“, heißt es in dem Schreiben weiter. Und den Arbeitnehmervertretern wird vorgeworfen, mit der Personalleitung an einem Strang zu ziehen. Diesen Vorwurf weist der Betriebsrat zurück. Es gelte nach wie vor die Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung, die betriebsbedingte Kündigungen bis mindestens 2025 ausschließt. Doch kann eine solche Vereinbarung nicht verhindern, dass das Unternehmen mit Mitarbeitern über deren freiwilliges Ausscheiden verhandelt.

Auch den anderen Behauptungen tritt die Arbeitnehmervertretung entgegen, räumt aber Verhandlungen über Sparmaßnahmen ein. Dabei geht es dem Vernehmen nach um übertarifliche Gehaltsbestandteile und um unbezahlte Mehrarbeit.

Doch das sind Themenbereiche, bei denen der Betriebsrat eine starke Verhandlungsposition hat. „Es muss ein Geben und Nehmen sein“, heißt es aus dem Umfeld der Arbeitnehmervertretung. Das bedeutet: Jedes Entgegenkommen muss durch Zugeständnisse an einer anderen Stelle erkauft werden. Heute Vormittag stellt sich der Betriebsrat unter Führung von Saki Stimoniaris den Beschäftigten bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung.

Ganz neu sind die Sparbemühungen nicht. Bereits im August hat der Vorstandsvorsitzende Joachim Drees Effizienzmaßnamen angekündigt, bei denen es neben einer Bereinigung des Produktportfolios auch um „spürbare Kosteneinsparungen“ ging. Konkret wurde damals der Verkauf des MAN-Werks in Pithampur (Indien) und die Einstellung einer dort produzierten Low-Cost-Baureihe angekündigt.

Die jüngsten Geschäftszahlen von MAN waren nicht schlecht. 2017 und im bisherigen Jahresverlauf 2018 hatte MAN deutliche Zuwächse bei Auftragseingang, Umsatz und operativen Ergebnis verzeichnet. Auch im krisengebeutelten Lateinamerika ziehen die Geschäfte wieder spürbar an. Allerdings liegt die operative Rendite des Konzerns (2017 waren es 3,9 Prozent) weit unter früheren Werten. Belastet werden die Ergebniserwartungen durch Investitionen in Zukunftstechnologien – etwa das autonome Fahren.

Ein Sorgenkind wird MAN bald los: den Maschinenbau. Die Traton AG hat angekündigt, sich von diesen Aktivitäten zu trennen. MAN Energie Solutions und die 76-Prozent-Beteiligung an Renk gehen zum Jahresende auf eine Volkswagen-Konzerngesellschaft über. MARTIN PREM

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