Allianz lernt die „Einfachheit“

von Redaktion

München – Ein neuer Direktversicherer soll Produkte der Allianz wieder konkurrenzfähig machen: Denn dass viele Kunden mit ihrer Versicherung oft alles andere als zufrieden sind, ist inzwischen bis zur Konzern-Führung des Versicherers in München durchgedrungen. Im Rahmen einer Studie hatte die Allianz ihre Kunden einmal ganz direkt gefragt: „Was nervt Sie eigentlich am meisten an Versicherungen?“ Die am häufigsten gegebene Antwort: der Preis. Die monatlichen oder jährlichen Prämien sind vielen Kunden offenbar schlicht zu teuer.

Problem Nummer zwei: Die Versicherungsprodukte sind vielen Kunden zu komplex, kaum jemand durchschaut die Policen bis ins letzte Detail. Die ersten beiden Punkte seien aber nicht überraschend, sagte Allianz-Vorstandsmitglied Iván de la Sota am Freitag.

Am meisten schmerzt de la Sota das dritte Problem: Viele Schäden werden von der Versicherung nicht reguliert, kritisieren die Kunden. „Das macht auch Sinn“, sagte der Top-Manager. „Es gibt so viele Schäden, die wir ablehnen.“ Das mag zwar gerechtfertigt sein, weil viele Kunden für einen speziellen Schadensfall auch nicht bezahlt hätten. „Aber sagen Sie einmal einem Kunden, der zehn Jahren keinen Schaden gehabt hat und seine Versicherung ganz regelmäßig gezahlt hat, dass ein Schaden nicht abgedeckt ist“, sagte de la Sota. Denn niemand erinnere sich daran, was bei Abschluss der Versicherung zehn Jahre zuvor angekreuzt wurde.

Das soll sich nun ändern. Am Freitag hat Konzern-Chef Oliver Bäte auf einer Investorenkonferenz erklärt, wie er auf die Kundenprobleme reagieren will. Seine Antwort lautet „Einfachheit“. Nachdem Bäte in den vergangenen drei Jahren die Vermögensverwalter Pimco und Allianz Global Investors wieder auf Vordermann gebracht hat, will er jetzt das eigentliche Kerngeschäft in Angriff nehmen und den Dax-Konzern fit für das Internet-Zeitalter machen. „Eine Sache, die immer noch offen ist, ist die Verständlichkeit und das intuitive Umgehen mit unseren Produkten und unseren Dienstleistungen“, sagte Bäte. „Dazu gehört auch, dass unsere Mitarbeiter mit einfacheren Produkten leichter in der Lage sind, unsere Kunden zu bedienen.“

Herzstück der neuen Strategie der Einfachheit ist ein europäischer Direktversicherer, der unter der Marke „Allianz direct“ 2019 in Deutschland, Holland, Italien und Spanien zunächst Kfz-Versicherungen verkaufen wird, weitere Länder sollen folgen.

Damit greift die Allianz sämtliche Kritikpunkte ihrer Kunden aus der Studie auf: Statt teuren und komplexen Policen soll die „Allianz direct“ günstigere und leicht verständliche Versicherungen verkaufen. Die Transparenz der neuen Produkte soll gewährleisten, dass Schäden künftig ohne Streit mit den Kunden reguliert werden.

Eine Konkurrenz zum bestehenden Versicherungsvertrieb sieht Bäte im geplanten Online-Geschäft nicht. Das zeigten bisherige Erfahrungen. „Es gibt faktisch, das haben wir immer wieder bewiesen, keine Kannibalisierung“, sagte der Konzern-Chef, auch wenn der Allianz das immer wieder unterstellt werde.

Auch sei mit der neuen Digitalisierungsstrategie zumindest aktuell kein Stellenabbau bei den weltweit 140 000 Beschäftigten verbunden. Menschen würden bei der Allianz nicht durch Roboter ersetzt, versprach Bäte. SEBASTIAN HÖLZLE

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